Neue Trump-Taktik: Ist ein „bisschen“ Atomkrieg möglich?

Politik

Kann man nur ein „bisschen“ Atomkrieg führen? Im Pentagon bekommt diese beklemmende Frage gerade neue Bedeutung. Die Idee dahinter klingt paradox: Der US-Präsident soll mehr Möglichkeiten für einen begrenzten Nuklearschlag bekommen. Die Idee dahinter: Eine Atombombe soll verhindern, dass es zu einem großen Atomkrieg kommt.

Was das bedeutet, lässt sich an einem Szenario zeigen: Sollte China Taiwan angreifen und die USA dort eingreifen, ist es möglich, dass Peking dann mit einer Atomwaffe gegen amerikanische Streitkräfte im Pazifik droht, um die Vereinigten Staaten zum Rückzug zu bewegen. Stark vereinfacht steht der Präsident dann vor einem Dilemma: zurückweichen, massiv eskalieren oder nach einer begrenzten nuklearen Antwort suchen.

Weicht er zurück, hätte das zur Folge, dass China lernt, dass atomare Drohung funktioniert und ohne Konsequenz bleibt. Oder aber der Präsident entschließt sich für die maximale Eskalation und ordnet einen Angriff mit strategischen Atomwaffen an. Interkontinentalraketen, U-Boot-Raketen und Langstreckenbomber können Zerstörung in einer Dimension anrichten, gegen die Hiroshima klein erscheint. China wiederum könnte einen solchen Angriff als existenzielle Bedrohung verstehen und seinerseits die USA attackieren.

Wie lässt sich China glaubwürdig abschrecken?

Bleibt eine dritte Möglichkeit: ebenfalls eine Atomwaffe, aber „begrenzt“. Und diese Zwischenstufen rücken in Washington aktuell stärker in den Blick. NBC News berichtete, dass das Pentagon seine nuklearen Einsatzoptionen in diese Richtung überprüft. Insbesondere geht es um die Frage, wie sich China auch in einem regionalen Krieg glaubwürdig abschrecken lässt.

Der Nuklearwaffenexperte Liviu Horovitz von der Stiftung Wissenschaft und Politik räumt dabei gleich mit einem Missverständnis auf: „Es gibt keine neue Strategie von strategischen Waffen hin zu ausschließlich taktischen Waffen. Die großen Waffen verschwinden nicht. Vielmehr geht es darum, welche zusätzlichen Möglichkeiten das Militär dem Präsidenten im Ernstfall anbieten kann.“

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Und dieses Menü hat es in sich. Strategische Atomwaffen sind für die ganz große Abschreckung zwischen Atommächten gedacht. „Ein einziger strategischer Atomsprengkopf kann weite Teile einer Großstadt zerstören. Ein massiver nuklearer Schlagabtausch könnte ganze Regionen verwüsten und Millionen Menschen das Leben kosten“, sagt Horovitz.

Taktische Atomwaffen sollen dagegen begrenzter einsetzbar sein, etwa gegen militärische Ziele in einem regionalen Krieg. Doch wer dabei an eine kleine Bombe denkt, irrt. „Einige taktischen Nuklearwaffen muss man sich so im Bereich Hiroshima vorstellen.“ Manche seien kleiner, andere wesentlich größer.

Warum braucht eine Atommacht wie die USA überhaupt diese Zwischenstufe? Horovitz: „Weil eine Drohung nur abschreckt, wenn der Gegner glaubt, dass sie im Ernstfall wahrgemacht wird.“

Zurück nach Taiwan. Würde China wirklich glauben, dass die USA wegen der Insel mit einem strategischen Atomschlag drohen – und im Ernstfall auch dazu bereit wären, obwohl ein chinesischer Gegenschlag amerikanische Großstädte treffen könnte? Horovitz beschreibt das amerikanische Glaubwürdigkeitsproblem so: „Bei ihnen geht es ja unter Anführungszeichen nur um Taiwan. Die Drohung mit strategischen Atomwaffen könnte deshalb unglaubwürdig wirken.“ Seine Schlussfolgerung: „Also braucht es dazwischen andere Eskalationsmöglichkeiten.“ Und hier beginnt das Paradox: Die USA müssen China glaubhaft vermitteln können, dass sie tatsächlich eine Atomwaffe einsetzen würden – damit China keine einsetzt.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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