
Die Regierung hat die Zusammenarbeit mit dem Verein Derad, der Programme zur Deradikalisierung von Häftlingen und Ex-Häftlingen anbietet, vergangene Woche gestoppt. Am Montag meldet sich der Verein mit einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort.
Der Verein mit Obmann Moussa Al-Hassan Diaw weist darin die Vorwürfe, seine Mitarbeiter würden der Muslimbruderschaft nahestehen, zurück. Er kritisiert, dass die Regierungsvertreter vor der Veröffentlichung nicht das Gespräch gesucht hätten. Und er äußert Sicherheitsbedenken, wenn jene 250 Klientinnen und Klienten, die zuletzt betreut wurden, jetzt ohne Betreuung dastehen.
Derad sei seit 2014 im Bereich der Extremismusprävention und Deradikalisierung tätig, seit 2016 würden Personen aus dem politisch-extremistischen und terroristischen Spektrum sowohl in Justizanstalten als auch nach bedingten Entlassungen im Rahmen von Bewährungsbetreuungen begleitet, wird in der Aussendung erklärt.
„Ausdrücklich gegen religiös begründete Formen von Extremismus“
Die „fachliche Position“ von Derad sei seit vielen Jahren öffentlich dokumentiert – und eindeutig: „Der Verein tritt gegen politischen Extremismus in all seinen Erscheinungsformen ein – ausdrücklich auch gegen Formen des Extremismus, die religiös begründet oder legitimiert werden.“
Ziel sei nie lediglich die Abkehr von Dschihadismus und einzelnen extremistischen Handlungen, sondern eine „nachhaltige Distanzierung von extremistischen Weltbildern und die Entwicklung einer Haltung, die ein friedliches Zusammenleben in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft ermöglicht.“
Die Entscheidung der Regierung, die Zusammenarbeit zu beenden, „müssen wir zur Kenntnis nehmen“, heißt es in der Aussendung weiter.
„Gleichzeitig machen wir uns große Sorgen darüber, dass mit einem Schlag rund 250 Personen ihre bisherige Betreuung im Bereich der Extremismusprävention und Deradikalisierung verlieren. Gerade in diesem Arbeitsfeld sind Kontinuität und stabile Betreuungsbeziehungen von besonderer Bedeutung.“
„Überrascht und verärgert“ ist man im Verein darüber, dass nach mehr als zehn Jahren Zusammenarbeit kein Gespräch gesucht worden sei, bevor solche Vorwürfe erhoben wurden. „Wir hätten zumindest die Möglichkeit erwartet, zu den konkreten Vorwürfen, die uns nicht einmal näher bekannt sind, Stellung nehmen zu können.“
Source:: Kurier.at – Politik



