Brigadier: „Wenn die Maschine entscheidet, beginnt eine grausame Zeit“

Politik

Brigadier Jürgen Schlechter muss wissen, womit Österreich in einem Krieg von morgen bestehen könnte. Als Leiter des Amts für Rüstung und Wehrtechnik verantwortet er, welche Technologien für Waffen und Systeme für das Bundesheer künftig relevant sind.

Denn Österreich muss nicht nur Jahrzehnte des Sparens aufholen. Gleichzeitig verändert sich der Krieg in einem Tempo, mit dem klassische Beschaffung kaum mithalten kann. Ausgerechnet dabei könnte Österreich einen entscheidenden Vorteil haben: Bei der Quantentechnologie gehört es zur Weltspitze. Schlechter erklärt, ob Österreichs Neutralität im Ernstfall schützt und warum es für KI beim Bundesheer eine rote Linie gibt: Über Leben und Tod soll keine Maschine entscheiden.

KURIER: Österreich hat das Verteidigungsbudget seit 2022 von rund 2,7 auf 4,8 Milliarden Euro erhöht. Reicht das, um technologisch wieder aufzuholen?

Jürgen Schlechter: Nein. Wir waren über Jahrzehnte unterbudgetiert und konnten uns nicht einmal leisten, technologisch auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Jetzt müssen wir bestehende Waffensysteme modernisieren und gleichzeitig in neue Technologien investieren. Dafür gibt es mit dem Aufbauplan 2032+ einen klaren Fahrplan. Natürlich würden wir uns mehr wünschen. Aber erstmals sind wir wieder in der Lage, die größten Defizite auszugleichen.

Wenn es um die Situation des Bundesheeres geht, dann war oftmals die Rede von einem maroden Haus, das es nun zu sanieren gilt. Wie gehen Sie die „Bauarbeiten“ an?

Wir versuchen zunächst, die Stabilität dieses Hauses sicherzustellen, damit es nicht weiter in sich zusammenbricht. Wenn wir das erledigt haben, können wir uns fragen: Wo bauen wir bessere Fenster ein? Wo erneuern wir das Dach? Wie optimieren wir das Energiesystem?  Das heißt vor allem, bestehende Waffensysteme auf den Stand der Technik zu bringen. Gleichzeitig müssen wir neue Fähigkeiten aufbauen, etwa bei der Luftverteidigung, Aufklärung, autonomen Systemen und der KI.

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Während Österreich noch sein Haus renoviert, verändert sich allerdings bereits die Art, wie Kriege geführt werden. Bereitet man sich am Ende nicht immer auf den falschen Krieg vor?

Ich würde nicht sagen: auf den falschen. Aber ein Krieg wird am Ende anders ablaufen, als wir ihn uns heute vorstellen. Das sind zwei Herausforderungen. Erstens: Was glauben wir, was in 20 Jahren technologisch möglich sein wird, und wie können wir uns darauf vorbereiten? Zweitens: Wie schnell und in welche Richtung entwickelt sich ein Krieg tatsächlich? Wir wussten beispielsweise schon 2021, dass Drohnen an Bedeutung gewinnen werden. Auch das österreichische Bundesheer beschäftigt sich schon länger damit. Aber dass die Entwicklung eine derartige Geschwindigkeit annimmt, hätten wir uns 2021 wahrscheinlich nicht vorstellen können. Heute ist das Alltag. 

Was ist die Technologie, die wir heute noch unterschätzen, die aber den nächsten Krieg verändern könnte?

Ein großes Thema ist künstliche Intelligenz. Wir lesen inzwischen aus dem Ukraine-Konflikt von autonomen, KI-gesteuerten Systemen, die ihre Ziele selbst aussuchen und entscheiden, ob sie wirksam werden, ohne dass ein Mensch unmittelbar dahintersteht. Das ist eine neue Dimension.

Wer beobachtet solche Entwicklungen eigentlich für Österreich?

Das machen unter anderem wir hier im „Amt für Rüstung und Wehrtechnik“, gemeinsam mit anderen Dienststellen, die auf Spezialgebieten tätig sind. Wir versuchen, eine Zusammenschau dessen zu bekommen, was technologisch machbar ist und in welche Richtung sich die Dinge entwickeln können. 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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