Londoner Stadtrat will „vertikales Trinken“ verbieten

Politik

Es ist das Sinnbild des Londoner Sommers: Trauben von Menschen, viele von ihnen im Geschäftsanzug oder Business-Kostüm, die nachmittags die Gehsteige vor den Pubs füllen. Mit einem Glas Wein oder einem Pint Ale in der Hand schallt das Gelächter der Gäste die Gasse entlang. 

Doch der Stadtrat von Westminster, jenem Stadtteil, der die lebhaften Bezirke Soho und Covent Garden miteinschließt, wollte dem ein Ende setzen. In einem neuen Entwurf der Lizenzrichtlinien wird laut Guardian empfohlen, „vertikales Trinken“ sowie das Bestellen an der Bar zu unterbinden.

Die Pubs sollen zudem darauf achten, dass ausreichend Sitzplätze bereitgestellt werden. Denn wer sich hinsetzt, bestellt zum Getränk eher auch noch eine Speise. Und wer bei einem Kellner oder eine Kellnerin bestellt, trinkt langsamer als an einer offenen Bar. 

Gegen übermäßigen Alkoholkonsum

Es sind Maßnahmen, die den Alkoholkonsum drosseln sollen. Zwar liegt die Gesamtkonsummenge an Alkohol in Großbritannien mit 10,7 Liter pro Person pro Jahr nur leicht über dem europäischen Durchschnitt, doch neigen die Briten zu schnellen, mengenreichen Trinkgelagen.

Der Vorstoß sorgte jedenfalls für Missfallen in den britischen Medien. Das Stehen im Pub, argumentierte Helen Coffey im Independent sei „Teil des Britischen Lebens“. „Ist ein Pub“, fragte wiederum Simon Jenkins im Guardian, „in dem (das Stehen) nicht erlaubt ist, überhaupt ein echtes Pub?“ 

Prompt schaltete sich Londons Bürgermeister Sadiq Khan ein. Den „restriktiven und wachstumshemmenden Maßnahmen“ möchte er jedenfalls Einhalt gebieten – und neue Befugnisse dürften ihm das ermöglichen. Die Londoner Bezirke veröffentlichen seit jeher alle fünf Jahre neue Lizenzrichtlinien; doch nun müssen diese dem Bürgermeisterbüro vorgelegt werden. 

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Politisches Kräftemessen

Und so wird schnell klar, dass dem Zwist ein politisches Kräftemessen zugrunde liegt: der Stadtrat in Westminster wird von den Konservativen geführt; Sadiq Khan gehört Labour an. Jede Partei schiebt der jeweils anderen die Schuld für Probleme zu. 

Ein Viertel aller Kleinverbrechen Londons, kommt es etwa von den Konservativen, finden im zentralen West End und St. James’s statt. Würde Labour für mehr Polizeiaufgebot sorgen, könnten alle die Stadt mehr genießen. 

Der Stadtrat von Westminster will neue Bars und Pubs in sogenannten „Zonen mit kumulativer Auswirkung“ – vor allem Soho und West End – verbieten. Doch das Londoner Nachtleben, erläutert wiederum Labour, bringt umgerechnet rund 25 Milliarden Euro Umsatz. Die Konservativen sollten sich also weniger auf Belästigungen und mehr auf Lebensfreude konzentrieren. 

Wie schwierig es bereits jetzt ist, ein Lokal am Laufen zu halten, zeigt ein Blick in die Statistik. In den ersten drei Monaten des Jahres mussten in der englischen Hauptstadt 161 Pubs schließen.

Trinken in Orkney

Ganz neu ist die Idee, vertikalen Trinkens zu untersagen, übrigens nicht. Bereits vor zwei Jahren sorgte es auf der schottischen Insel Orkney für Verwunderung. Damals fragten die Betreiber des Pomona Inn in Finstown um Erlaubnis, 16- und 17-Jährige zu Dart- und Pool-Matchen abends im Pub begrüßen zu dürfen. Nach 20 Uhr dürfen nur Über-18-Jährige in britische Pubs. 

Die Polizei wollte das zunächst nur erlauben, wenn das Pub „vertikales Trinken“ untersagte. Die Maßnahme war also dasselbe, doch die Begründung eine andere: Wenn die Gäste sitzen, habe das Personal einen besseren Überblick und kann etwaigen Regelverstöße einfacher wahrnehmen. Der Pub-Vorstand lehnte die Vorgabe ab; …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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