
Die Lage in der österreichischen Autozulieferindustrie spitzt sich weiter zu. Die Pollmann International GmbH, die Pollmann Austria GmbH und die Pollmann Werkzeugbau GmbH mit Hauptsitz in Karlstein an der Thaya haben am 1. September 2026 beim Landesgericht Krems an der Donau jeweils einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens gestellt. Die Verbindlichkeiten aller drei Gesellschaften zusammen liegen bei 74 Millionen Euro.
Die Pollmann-Gruppe beschäftigt insgesamt 1.200 Mitarbeiter an fünf Standorten auf drei Kontinenten. Die Pollmann International GmbH beschäftigt laut Firmencompass rund 75 Mitarbeiter, die Pollmann Austria GmbH rund 331 Mitarbeiter und die Pollmann Werkzeugbau GmbH rund 70 Mitarbeiter. Laut Unternehmenssprecherin sind insgesamt 500 Mitarbeiter von den Insolvenzverfahren betroffen.
Beraten werden die Gesellschaften von der renommierten Sanierungs- und Insolvenzrechtsexpertin Andrea Fruhstorfer. „Die Unternehmen sollen fortgeführt werden, die Produktion läuft unverändert weiter. Die ausländischen Töchter in Tschechien, Mexiko und China sind von den österreichischen Verfahren ebenso wenig betroffen wie die Maxxom Automation GmbH. Betriebsrat und Arbeiterkammer wurden aufgrund der Vielzahl betroffener Beschäftigter eng eingebunden“, heißt es in einer Aussendung.
Investorensuche eingeleitet
Die Fortführung der Pollmann-Gruppe soll mit Hilfe eines Investors erfolgen. Die Investorengespräche sollen schon lange laufen.
Die Pollmann-Gruppe entwickelt und fertigt Komponenten und Baugruppen für die internationale Automobilindustrie. Die Produkte sind in Fahrzeugen sämtlicher namhafter Automobilmarken verbaut. Als Grund für die Sanierung nennt das Unternehmen den strukturellen Wandel der Automobilindustrie – eine Entwicklung, die derzeit viele europäische Zulieferer trifft. Während die Automobilproduktion weltweit wächst, entsteht der Druck vor allem im europäischen Markt.
Bereits seit einiger Zeit versucht Pollmann gegenzusteuern: Wechsel an der Unternehmensspitze, Zusammenlegung und Verlagerung eines Standorts nach Karlstein, Verkauf nicht betriebsnotwendiger Liegenschaften sowie ein strukturierter Investorenprozess. Für ein Unternehmen dieser Größenordnung sei ein Wandel in dieser Dimension aus eigener Kraft schwer umsetzbar, weshalb die Sanierungsverfahren unvermeidbar gewesen seien.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



