„Tote Stadt“ in Grafenegg; Wenn Realität und Traum verschwimmen

Kultur

„Glück, das mit verblieb“: Mariettas Lied ist wohl der größte und populärste Hit aus Erich Wolfgang Korngolds Oper „Die tote Stadt“. Das Werk ist ein Geniestreich eines 23-Jährigen und war jetzt konzertant beim Grafenegg Festival im Wolkenturm zu erleben. Und diese anrührende Arie wirkt umso mehr, wenn sie so gesungen wird wie von Camilla Nylund.

Die Sopranistin singt die Doppelrolle der Marietta und der Erscheinung der Marie expressiv und intensiv mit feinem Vibrato und gestaltet die anspruchsvolle Partie mit viel Dramatik und Bravour.

Eleganter Schöngesang

In die Rolle des Paul schlüpft Eric Cutler: Teils strahlend und immer höhensicher, aber doch mit kleineren Anstrengungen bewältigt er die mörderisch schwere Rolle und kann auch das Verschwimmen von Realität und Träumen durchaus vermitteln. Samuel Hasselhorn als Frank und Fritz glänzt mit elegantem Schöngesang, vor allem beim zweiten Hit der Oper, „Mein Sehnen, mein Wähnen“, den er fabelhaft weich und warm singt.

Christa Mayer ist eine schön singende Haushälterin Brigitta, Daniel Jenz singt die Partien des Victorin und Gaston mit geschmackvollem Tenor. Tadellos sind auch die weiteren kleineren Partien besetzt – mit Ilia Staple (Juliette), Florentina Serles (Lucienne) und Matthäus Schmidlechner (Graf Albert). Homogen und klangschön, wenn auch nur kurz, hört man den Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn.

Einspringer am Pult

Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter dem für Axel Kober kurzfristig eingesprungenen, routiniert agierenden Dmitri Jurowski liefert schwelgerische, reich aufgefächerte, teils wegen der Opulenz der Partitur recht lautstarke, regelrechte Klangräusche, was es dem Tenor nicht immer leicht macht. Insgesamt fehlt es jedoch etwas an Feinschliff. Großer Jubel!

  Kroatischer Autor Slobodan Šnajder gestorben

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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