Austrias Frauen-Trainer Kenesei: „Wir lassen uns zu viel gefallen“

Sport

Es ist ein besonderer Tag für die Fußballerinnen der Austria. Nach dem Gewinn des Doubles in der Vorsaison können die Veilchen nun auch noch die erstmalige Teilnahme der Champions League fixieren. Dazu nötig ist jedenfalls ein Sieg gegen Brann Bergen am Dienstag in der Generali Arena (18 Uhr, live ORF 1). Im Hinspiel der dritten und letzten Qualifikationsrunde in Norwegen hatte Österreichs Meister sehr unglücklich mit 1:2 verloren. Rund 600.000 Euro gäbe es als Lohn für den Verein seitens UEFA, sollte die Teilnahme gelingen. Das wären rund zwei Drittel eines ganzen Jahresbudgets.

KURIER: Welche Bedeutung hat dieses Spiel, auch angesichts dieser Umstände?

Stefan Kenesei: Finanziell wäre das überragend, aber es geht mehr darum, dass es eine historische erstmalige Chance ist und es für die meisten unserer Spielerinnen die erste Champions-League-Teilnahme wäre. Wenn ich daran denke, dass St. Pölten gegen Barcelona 9.000 Zuseher im Stadion hatte, dann ist das schon etwas, wovon viele bei uns träumen.

Wie stehen die Chancen gegen Brann Bergen?

Sie haben schon Champions League gespielt, und die skandinavischen Ligen sind über unsere zu stellen. Wir dachten: Das wird ganz, ganz schwierig. Nach dem Hinspiel haben wir aber das Gefühl, dass es möglich ist, und das hat eine sehr positive Stimmung ausgelöst bei uns. Und es ist nur ein Tor aufzuholen.

Sie sind seit dreieinhalb Jahren Frauen-Trainer. Wie sind die Unterschiede für Sie als Trainer beim Coaching zwischen Männern und Frauen?

Die Frauen sind wissbegieriger, hinterfragen taktische Entscheidungen noch mehr und wollen bestmöglich auf jede Situation vorbereitet sein. Das kann irgendwann viel werden, weil es kein Buch gibt, das du ihnen mitgeben kannst. Man merkt stark: Sie wollen ernst genommen werden bei dem, was sie tun. Wir brauchen ja nicht darüber zu reden, dass es immer noch viele gibt, die Frauenfußball belächeln. So akribisch, wie die Mädels arbeiten, das ist schon etwas anderes. Ich weiß nicht, ob das in jeder Männer-Mannschaft so ist oder sich da nicht viele auf ihr Talent verlassen.

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Sind Sie einfühlsamer?

Nein, die Mädels wollen genauso kritisiert werden, wenn sie etwas schlecht machen. Sie wollen nicht gestreichelt werden. Man muss mehr reden mit ihnen, es gibt mehr Einzelgespräche.

Sagen Sie „Mädels“ bei Ihrer Ansprache in der Kabine?

Ja, meistens. Aber die Kabine kann ich natürlich nicht immer betreten. Das war eine kleine Umstellung für mich zu Beginn meiner Amtszeit.

Und wann gehen Sie doch hinein?

Es gibt einen fixen Plan. Eine Stunde vor dem Spiel gibt es eine kurze Besprechung, und kurz vor dem Spiel sind wir Betreuer wieder drin. Viele Gespräche halten wir auch außerhalb der Kabine ab. Ich bin da sehr heikel.

Sind alle Betreuer bei Ihrem Team männlich?

Der Trainerstab ja. Aber wir haben nur weibliche Physiotherapeutinnen. Das ist mir wichtig. Die Mädels hätten auch mit männlichen Therapeuten kein Problem. 99 Prozent wäre es egal. Aber wir haben auch sehr junge Spielerinnen, und wenn sich nur eine einzige unwohl fühlen würde, wäre mir das schon zu viel.

Sie haben mit Ihrem Team zuletzt zwei Titel gewonnen und natürlich umarmen Sie auch Ihre Spielerinnen in emotionalen Situationen. Wie gehen Sie damit um?

Es sind hier alle sehr professionell. …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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