Das Wiener Künstlerhaus – im Dreiländereck der Kunstinstitutionen

Kultur

Was sollen Kunstinstitutionen in der näheren, von Sparsamkeit geprägten Zukunft sein? Erlebnisräume in Konkurrenz zu Theatern und multimedialen Angeboten? Räume des politischen Diskurses? Oder doch lieber konsumfreie Aufenthaltsräume? Der Kunstmarkt würde da allerdings auch noch gern ein Wort mitreden.

Markt, Politik, Kunst

Alle genannten Funktionen werden im Kunstfeld derzeit anprobiert wie Gewandstücke im Sommerschlussverkauf. Die Plakate aus mehr als 150 Jahren, die das Wiener Künstlerhaus in der Schau „Common Story“ ausgebreitet hat, zeigen, dass die Institution ziemlich jeden dieser Anzüge schon einmal anhatte.

Waren die Mitgliederausstellungen der Anfangszeit noch Leistungsschauen mit dem Ziel, Werke zu verkaufen, setzte man bald thematische Akzente. Die politische Vereinnahmung trat in der NS-Zeit im Künstlerhaus deutlich zutage – die Ausstellung reißt diesbezüglich getätigte Aufarbeitungen aber nur an und bleibt beim Bildmaterial (1939 präsentierten sich „Ostmarkkünstler“).

In der Nachkriegszeit schlug das Pendel teils in die andere Richtung aus, bereits 1946 wurde eine „antifaschistische Ausstellung“ gezeigt. Legendäre Ausstellungen („Traum und Wirklichkeit“, 1985) folgten – allerdings war die Künstlervereinigung dabei Gastgeber und nicht Gestalter.

Die Rolle des Hauses als Ort für Kooperationen und Gastspiele mag finanziellen Zwängen geschuldet sein. Man darf sie aber auch als Charakteristikum würdigen.

Koproduktionshaus

Auch heute, wo sich die Künstlervereinigung die mehrheitlich im Besitz der Haselsteiner-Familien-Privatstiftung stehende Immobilie mit der Albertina modern teilt, tritt diese Mittlerrolle im Kunstbetrieb zutage – aktuell in der Schau „From Carinthia“, die bis 27. 9. den für private Initiativen reservierten Schausaal „Factory“ bespielt.

Zu sehen sind dort Klassiker der Nachkriegsmoderne, denen die Kärntner Herkunft gemein ist: Maria Lassnig, Kiki Kogelnik, Wolfgang Hollegha, Hans Staudacher und Bruno Gironcoli finden sich darunter. Mit den Malern Valentin Oman und Peter Krawagna sowie der Bildhauerin Meina Schellander sind drei lebende Personen unter den Ausgestellten.

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Die Werke sind zweifellos qualitätvoll – und doch stellt sich die Frage, ob sich hier Kunst oder Infrastruktur präsentiert: Stehen doch die (u. a. von der Haselsteiner-Stiftung mitbegründete) Kärntner Kulturstiftung und das Museum Moderner Kunst Kärnten hinter dem Projekt.

Leihgaben kommen dazu, vom privaten Museum Liaunig und der Strabag-Kunstsammlung. Dass die Kunst solche Unterstützer im Bundesland hat, darf und soll wertgeschätzt werden. Für das Publikum könnte aber eine Form gefunden werden, die ein wenig mehr erzählt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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