Gloria Theater: Waschbärenbäuche und Mireille Mathieu auf Speed

Kultur

Tür auf, Tür zu oder lieber doch im Schrank verstecken? Unvergessen ist Tony Curtis als Hallodri, der mit drei Stewardessen gleichzeitig verlobt war und sein Liebesleben nach dem Flugplan von drei Fluggesellschaften plante. Höllisch aufpassen musste er, dass nicht falsche Freundin zur Unzeit vor der Tür stand. Unterstützt wurde er von seinem tölpelhaften Freund, gespielt von Jerry Lewis, dem unübertroffenen Meister der präzisen Komödie. „Boeing Boeing“ hieß der Film nach dem Stück des französisch-schweizerischen Bühnenautors Marc Camoletti (1923-2003). Klassischer Boulevard, der, gut getimt und auf den Punkt gespielt, bei aller Vorhersehbarkeit wahnsinnig lustig sein kann. „Boeing Boeing“ war mit Abstand Camolettis erfolgreichstes Stück. Weitere, weniger bekannte, funktionierten nach dem gleichen Prinzip: Tür auf, Tür zu, garantiert steht der oder die Falsche dahinter. Auch die nun im Floridsdorfer Gloria Theater gezeigte Verwechslungskomödie „Hier sind Sie richtig!“ folgt dieser Bauanleitung. Vier Frauen geben je eine Annonce für den Mann ihres Bedarfs auf – ein Mieter, ein Nacktmodell, ein Klavierschüler, ein potenzieller Ehemann. Das, so die Behauptung des Stücks, muss im Chaos ergo in Unterhaltung enden. Nur: Um daraus tatsächlich gute Unterhaltung zu machen, braucht es Präzision. Timing ist alles, das wussten Großmeister von Jerry Lewis bis Louis de Funès.

Und das wissen ansatzweise einige hier im Ensemble. Allen voran Christoph Fälbl als männliches Nacktmodell. Fälbl macht zwar seit Jahrzehnten das Gleiche, um nicht zu sagen dasselbe, aber es funktioniert. Er sagt, er sei mit dem „Autobüs“ gekommen (wir befinden uns in Paris, der Eiffelturm schaut beim Fenster herein), zeigt seinen Waschbärbauch und seine schönen Füße (Voraussetzung für ein Nacktmodell!) und schimpft hysterisch, was tatsächlich leichte Anklänge von Louis de Funès hat. Auch der zweite Star des Abends, Reinhard Nowak, weiß, was er tut. Er, weniger hysterisch als gewohnt tollpatschig, räkelt sich halb nackt auf der Couch und ja, das kann man schon lustig finden. Ebenso den Ton trifft, wenngleich diese Interpretation gewiss Geschmackssache ist, Michelle Catherine Härle als Möchtegern-Klavierlehrerin, eine Art Mireille Mathieu auf Speed. Was zwar anstrengend ist, aber den Kern derartiger Komödien trifft. Laut, schnell, überdreht und zart nervtötend. So soll es sein.

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Insgesamt aber fehlt dem Stück die Rasanz. Bis zur Pause stimmt das Tempo, das Regisseurin und Prinzipalin Claudia Rohrfeld vorgibt, einigermaßen. Im zweiten Teil sackt der Abend ab. Die Vorhersehbarkeit wird langatmig. Das können auch einige geglückte Runnings Gags nicht retten. Irgendwann haben sich die meisten an Männerfüßen sattgesehen. Neben Tempo hapert es auch an der Besetzung: Die ist altersmäßig nicht stimmig. Junge Untermieterinnen wirken so erwachsen wie ihre Vermieterin. Was, in einem ansonsten sehr traditionell ins Szene gesetzten Stück, doch auffällt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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