Militärexperte prognostiziert „harten Winter“ für Ukraine und hybride Angriffe auf Europa

Politik

Eine Befürchtung des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij ist nach Ansicht eines österreichischen Militärexperten durchaus realistisch: Der russische Präsident Wladimir Putin sei „zutiefst überzeugt, die Ukraine im Winter endgültig in die Knie zu zwingen“, sagte Bundesheer-Oberst Markus Reisner der APA. Trotz US-Vermittlungsbemühungen sieht Reisner „keinerlei Entgegenkommen von russischer Seite“, sondern im Gegenteil eine Eskalation der Luft- und hybriden Angriffe.

Signale einer Deeskalation fehlten, erklärte Reisner. „Wir sehen im Gegenteil eine Eskalation der Luftkriegsführung auf die Ukraine, und wir sehen auch eine Eskalation der hybriden Kriegsführung gegenüber Europa.“ So habe Moskau nach dem Besuch des Direktors des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, Ende August etwa seine Luftangriffe gegen die Ukraine massiv verstärkt. „Das ist eigentlich die Antwort von Putin auf die Initiative der USA gewesen.“ Auch dass der US-Sondergesandte Steve Witkoff und der Schwiegersohn des US-Präsidenten, Jared Kushner, am Sonntag nicht nach Kiew fliegen konnten, sondern den Zug nehmen mussten, sei ein Beleg dafür. Die zuvor erfolgten russischen Luftangriffe auf die Flughäfen in der Umgebung von Kiew hätten eine Reise mit dem Flugzeug verunmöglicht.

Keine Erfolge für Putin erwartbar

Trotz der Zuversicht könne sich Russland keine großen militärischen Erfolge an der Front erwarten. Diese sei „mehr oder weniger nahezu erstarrt“, sagte Reisner. Auf der „taktisch-operativen Ebene“ seien also „keine großen Veränderungen zu erwarten“ – mit Ausnahme davon, dass unter Umständen nach der Duma-Wahl eine Mobilisierung zusätzlicher Kräfte stattfinden könnte. Anders sei die Lage auf der „strategischen Ebene“: Russland nehme Tankstellen und die Energieversorgung der Ukraine ins Visier. Der ukrainische Energieminister räumte unlängst ein, dass circa 80 Prozent der kritischen Infrastruktur der Ukraine, vor allem die Energieversorgung, beschädigt oder zerstört seien. „Das ist der Punkt, wo Putin ansetzt, und Putin glaubt, dass er jetzt diesen Winter nützen kann, um die Ukraine quasi in die Knie zu zwingen.“

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Fehlende Abwehrraketen als Achillesferse

Selenskij fordere daher die Lieferung von Abwehrraketen. Denn Patriot-Abwehrraketen seien „das entscheidende Mittel, um sich gegen ballistische Raketen und Marschflugkörper zur Wehr setzen zu können“. Auch gegen Gleitbomben an der Front seien sie notwendig. Allein in der Nacht auf Dienstag habe die Ukraine nur etwa die Hälfte der rund 60 russischen Raketen abschießen können. „Das ist die Achillesferse, die Putin erkennt.“ Die Amerikaner hätten im Krieg gegen den Iran rund zwei Drittel ihres Arsenals an Patriot-Raketen aufgebraucht. „Aber natürlich könnten die USA noch etwas liefern, beziehungsweise gibt es auch einige Staaten, die einen Bestand haben.“

Die USA würden „hier mit zweierlei Maß agieren“, erklärte der Militärexperte weiter. Einerseits geben sie der Ukraine Unterstützung mit Aufklärungsdaten, damit die Ukraine in der Lage sei, mit Langstreckendrohnen anzugreifen und damit Druck auf Russland auszuüben. Andererseits verwehre sie der Ukraine aber auch Patriot-Raketen, „um den Russen Druckmöglichkeiten zu geben“. Die USA möchten wohl, dass beide Seiten nachgeben und für einen Kompromiss bereit sind. Dass europäische Staaten es nicht geschafft haben, die Produktion von Fliegerabwehrsystemen signifikant zu erhöhen, bezeichnete Reisner als „absolute Niederlage“. Auch Alternativen wie SAMP/T oder IRIS-T würden in zu geringem Stückausmaß von z.B. bis zu 150 Stück (SAMP/T) produziert. Die Produktion von Patriot-Raketen dagegen soll von 650 auf 1.000 pro Jahr …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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