Banu Mushtaq: „So kann ich träumen, so kann ich schreiben“

Kultur

Da ist zum Beispiel Shaista, deren Mann die älteste Tochter aus der Schule nimmt, damit sie sich um den Haushalt kümmert. Mädchen brauchen ja nicht so viel Bildung und nächstes Jahr wird sie verheiratet. Da ist Akhila, deren Mann ihr kaum in die Augen schauen kann, aber herumspringt wie ein Kalb, wann immer er seine Mutter sieht. Und da ist Arifa, deren Mann von hochhackigen Schuhen wie besessen ist.

12 Frauen, die von den Ungeheuerlichkeiten des Patriarchats erzählen und die sich auf ihre Weise wehren. Nicht selten mit subtilem Humor. Was die Zustände insgesamt nicht besser macht. „Die Frauen in meinen Geschichten – ich habe sie gesehen, ich habe ihre Qualen miterlebt, ihren Kampf, ihre Konflikte und ihre Verzweiflung, ich habe mit ihnen geweint, ich habe mit ihnen gekämpft, und ich halte ihre Hände in meinen. Ich fühle immer mit ihnen.“

Banu Mushtaq, Autorin, Rechtsanwältin und Aktivistin aus Karnataka, Indien, hat die Geschichten dieser Frauen aufgeschrieben. Grundlage dafür war ihre juristische, aber auch ihre eigene Erfahrung als Angehörige der muslimischen Minderheit, die sie in ihrem Erzählband „Meistens bleibt ja die Frau zu Hause“ ungeschönt schildert. „Es gibt viel Grausamkeit im Namen des Patriarchats, dieses fest verankerten Gesellschaftssystems, das Männern freie Hand gelassen hat, Frauen im Namen von Kultur und Religion jede Art von Grausamkeit anzutun“, sagt die 1948 geborene Autorin im Interview mit dem KURIER.

Ausgezeichnet

Für ihr Buch wurde Mushtaq mit dem International Booker Prize 2025 ausgezeichnet. Progressive Kräfte hatten ihre Arbeit schon lange unterstützt, erzählt sie. Ihre Kurzgeschichten wurden in den Lehrplan von Schulen und Universitäten aufgenommen und ihre Short Story „Black Cobra“ wurde von Regisseur Girish Kasarvalli verfilmt. Dennoch: „Es gibt auch Menschen, die mich und mein Schreiben nicht mögen. Aus Gründen, die mit Kaste, Geschlecht und sozialem Status zu tun haben.“ Dass sie überhaupt zum Schreiben kam, hat Mushtaq ihrem Vater zu verdanken: Der schickte sie gegen alle gesellschaftlichen Konventionen auf eine Kannada-sprachige Schule. Kannada wurde später die Hauptsprache ihres literarischen Schreibens. „Als muslimisches Mädchen hätte ich das gar nicht lernen dürfen. Eine muslimische Frau sollte damals ja vor allem lernen, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein; aber mein Vater hat sich durchgesetzt.“

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Die erste Geschichte

Das Schreiben wurde bald zur Obsession: „Ich schrieb auf den Boden, an die Wände und überall, wo sich mir eine Gelegenheit bot, und mein Vater war sehr glücklich; er besorgte mir Bücher. Durch das Lesen wurde ich inspiriert und dachte: ,So kann ich träumen, so kann ich schreiben.’“ Die erste Kurzgeschichte schrieb Mushtaq mit 13. Vom Schreiben leben? Nein, das war nie möglich. Mushtaq arbeite als Lehrerin, bekam Kinder, absolvierte ein Jusstudium und wurde 1990 als Rechtsanwältin zugelassen. Außerdem engagierte sie sich im Kampf gegen das Kastensystem.

Viel Zeit für Fantasie blieb nicht in den 15 Jahren als Anwältin, Aktivistin, mehrfache Mutter. In ihrer Autobiografie, an der sie gerade arbeitet, schreibt Banu Mushtaq: „1990 habe ich meinen Kopf über den Tisch gesenkt und als ich den Kopf wieder hob, sah ich, dass es 2015 war.“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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