„Aida“ am Stadttheater Klagenfurt: Emotionsgeladenes Kammerspiel

Kultur

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welch qualitativ hochstehendem Gesangsensemble die Länderbühnen aufwarten können: So auch am Stadttheater Klagenfurt bei der diesjährigen Eröffnungspremiere von Giuseppe Verdis beliebter „Aida“.

Da lässt Anna Princeva als Titelfigur keine Wünsche offen. Ihre zerbrechliche Aida berührt und leidet intensiv. Sie weiß mit innigen Momenten ebenso zu faszinieren, wie in ihren dramatischen und ist dabei immer höhensicher. Ihren Geliebten Radamès kann Vasyl Solodkyy ebenso mit einer reichen dynamischen und ausdruckstarken Bandbreite und müheloser Höhe seines schönen Tenors gestalten.

Ruzana Grigorian ist eine dominante und stimmkräftige Amneris. Ungemein bühnenpräsent und kraftvoll beeindruckt auch Tommi Hakala als markanter Amonasro. Giorgi Chelize ist ein edelstimmiger Ramfis. Gediegen klingt der König des Gheorghe Severin.

Ausgewogen und präzise ist der Chor des Stadttheaters (Einstudierung: Günter Wallner) zu hören. Auch das Kärntner Sinfonieorchester unter seinem Chefdirigenten Chin-Chao Lin weiß, abgesehen von einigen zu überkochenden Momenten, die es den Sängern etwas schwer machen, feurige Emotionen aber auch subtile Tonmalereien und viele dynamische Nuancen hörbar zu machen.

In Kriegszeiten

Opulente Ästhetik bietet dazu das Einheitsbühnenbild: Ägyptische Ornamente auf den Mauern eines Palastes mit Gewölben und Säulen, mit brennenden Feuerschalen (Bühne: Thomas Stingl) und mit zur jeweiligen Stimmung passendem Licht.

Dazu kommt ein historisierter Kostümmix, aber mit viel Geschmack (Emmanuela Cossar).

Der Intendant des Hauses Aron Stiehl nimmt die Regie selbst in die Hand und lässt den Plot der tragischen und tödlich endenden Liebe zwischen Aida und Radamès in Kriegszeiten ablaufen: Während des „Triumphmarsch“ sieht man Videos von marschierenden Truppen, Explosionen und zerstörten Städten, mit der Botschaft, dass Grausamkeiten eines Krieges nie Grund für Jubel sein können. Dann tanzen auch noch fünf Despoten der Weltgeschichte wie Napoleon, Stalin Fidel Castro und Mussolini wie auch ein kindlicher Donald Trump herum und spielen mit der Weltkugel (Choreographie: Sabine Arthold). Eine überflüssige Idee, während sonst, wo vorgesehen, leider keinerlei Ballett zu erleben ist.

  Judith Fantos „Der Betrachter“ mitten im Wiener Abgrund

Während die Massenszenen meist nur statisch arrangiert sind, beschäftigt sich Stiehl in seiner kammerspielartigen, ausgefeilten Inszenierung mit den Beziehungen und Gefühlen der Protagonisten mit psychologischem Tiefgang und weiß dabei viele berührende Momente zu erzeugen. Stehende Ovationen!

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.