Volkstheater Bezirke zeigt „Woyzeck“: Büchner, versenkt im Plüschtierautomaten

Kultur

Das Volkstheater Bezirke kündigt „Woyzeck“ von Georg Büchner an. Gespielt wird jedoch ein Stück der Regisseurin Mechthild Harnischmacher. Vom Original bleiben nur Spuren.

Das liegt nicht daran, dass es die Regisseurin zu einem Zweipersonenstück umgearbeitet hat, nämlich für einen Schauspieler und eine Schlagzeugerin. Beide agieren ausgezeichnet. Samouil Stoyanov verkörpert mehrere Rollen auf Marlen Dukens praktisch eingerichteter Bühne. Auf der einen Seite prangt ein begehbarer Glücksspielautomat, auf der anderen ein Flipper, quasi als Vorbau für das Schlagzeug von Katharina Ernst, die einen eindrucksvollen Soundtrack liefert.

Wenn Stoyanov zu Beginn vergeblich versucht, bei dem Glücksspielautomat etwas zu gewinnen, erinnert das an die legendären Kämpfe Kurt Weinzierls als Pilch mit dem Kaffeeautomaten in „Kottan ermittelt“. Glänzend verwandelt sich dieser Schauspieler vom Gedemütigten zum Unterdrücker. Als Hauptmann gibt er sich als arroganter Wiener Macho, der fast keinen Satz ohne „Oida“ formuliert. Fließend changiert er zwischen den Idiomen. Als Titelfigur zieht er alle Register der Verzweiflung.

Wie gern würde man mehr von Büchners Text hören. Aber das lässt dieses Konzept nicht zu. Büchner verarbeitete reale Frauenmorde. Naheliegend, daraus einen Bezug zu heutigen Femiziden herzustellen. Diese Inszenierung aber vernichtet das Drama.

Marie, Woyzecks Partnerin, ist ein Plüscheinhorn. Einige ihrer Sätze leuchten auf dem Automaten auf. Der Tambourmajor, mit dem sie im Original eine Affäre hat, ist ein weißer Stoffhase, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Killerkaninchen aus Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuss“ aufweist und Marie brutal vergewaltigt. Stoyanov muss dafür auch noch den Part eines Puppenspielers übernehmen und zeigen, wie das geschieht. Bevor Woyzeck seine Marie ersticht, bricht er ab und liest eine betuliche Anklage gegen Gewalt an Frauen vor. So tilgt man die Stärken von Literatur. Viele Bravos für die Darsteller.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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