Konkurrenz für Meloni? Italiens Vannacci Hype

Politik

Von Andrea Affaticati 

Wie gefährlich ist General Roberto Vannacci wirklich für Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni?

Diese Frage treibt Politiker, Politologen und Medien in Italien seit Wochen um. Vannaccis nationalistische, rechtsextreme Partei Futuro Nazionale (FN), die erst Anfang dieses Jahres gegründet wurde, liegt gleichauf mit der Forza Italia bei 7,5 Prozent. Die Lega ist stattdessen auf 5,5 Prozent abgerutscht.

Für Lega-Chef Matteo Salvini ist das eine echte Bloßstellung. Er war es nämlich, der den General in die Partei geholt, ihn für die EU-Wahlen aufgestellt und nachdem dieser aus dem Stand 500.000 Stimmen nach Hause brachte, zu seinem Stellvertreter gemacht hat. Vannaccis strategische Fähigkeiten hatte er dabei übersehen. Es dauerte nämlich nicht lange und der General ließ ihn sitzen – mit der Begründung, die Partei wäre nicht radikal genug. Er vertrete stattdessen die wahre Rechte.

Der Aufstieg des Generals hat auch Konsequenzen für die Regierungskoalition. Würden die Italiener jetzt und nicht erst 2027 wählen, wäre Melonis Partei Fdl (Fratelli d’Italia, auf deutsch: Brüder Italiens) auch auf die Stimmen der FN angewiesen, um eine mehrheitsfähige Allianz zu bilden.

Aber will man überhaupt im Bund mit einer Partei sein, die einem derzeit Abgeordnete und Wähler streitig macht? Forza Italia ist gegen eine Zusammenarbeit mit Roberto Vannacci. In der Lega gibt es unterschiedliche Positionen, genauso wie in Melonis Partei. 

Und was sagt die Regierungschefin selbst? Zwar greift Meloni Vannacci immer wieder an, meint, er würde letztendlich den Sieg des Oppositionslager erleichtern, hält sich aber, was eine mögliche Zusammenarbeit betrifft, noch bedeckt. 

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Marco Tarchi, Politologe und emeritierter Professor, war einst selbst Ideologe der Neuen Rechten in Italien. Heute konzentriert sich seine Arbeit auf die unterschiedlichen Formen des Populismus. Was den General betrifft, sieht er zwar die Probleme, die er Meloni bereiten könnte, meint aber auch, dass er keine ernsthafte Gefahr darstelle.

„Vannacci zwingt Meloni jetzt zu einer Stop-and-go-Strategie, was die systemische Mäßigung und Integration ihrer Partei betrifft“, sagt er dem KURIER. „Es fehlt ihm aber das Format eines Haider oder einer Le Pen. Und ich glaube nicht, dass FN jemals auch nur annähernd an die zweistelligen Ergebnisse von der Lega einst und denen von FdI jetzt kommen wird.“

Eine unlängst durchgeführte Umfrage des Instituts Euromedia Research zum Thema „warum man Vannacci gut findet“, lieferte ein interessantes Bild. In den Antworten kam immer wieder das Wort „Protest“ vor. Protest zum Beispiel „weil Vannacci ausgegrenzt wird“; aber auch „weil sich so vielleicht wirklich etwas ändert.“ Wie die Chefin von Euromedia Research in einem Artikel hervorhob, „findet hier eine Verschiebung der Stimmen im Koalitionslager statt. Von Mitte–Rechts, oder Rechts, zu noch weiter Rechts.“

Wobei das 200 Seiten lange Parteiprogramm eher zweitrangig ist. Dieses propagiert ein Zurück in die alte heile Welt, wo kein Platz für Migranten ist, wo Frauen wieder am Herd stehen und das mediterrane Patriarchat wieder das Sagen hat. Eine Welt, in der statt Geld in Richtung Ukraine wieder russisches Gas in Richtung Italien fließt. Auf Vannaccis Liebe zu Russland hinweisend – er selbst war Militärattaché an der italienischen Botschaft in Moskau – fragte sich die britische Wirtschaftszeitung Financial Times unlängst: „Ist Vannacci das trojanische Pferd des …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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