Neuer Sportdirektor: Der ÖFB macht Regeln, doch lebt er sie auch vor?

Sport

Der ÖFB sucht einen neuen Sportdirektor und man muss Josef Pröll eines lassen: Der Aufsichtsratsvorsitzende meint es ernst. Ein externer Personalberater, eine öffentliche Ausschreibung, Konzepte statt Zurufe, Hearings vor einem Gremium. Was in mittelgroßen Unternehmen Standard ist, war im ÖFB bisher anders. Peter Schöttel wurde 2017 Sportdirektor, ohne dass irgendjemand nach Mitbewerbern Ausschau gehalten hätte. Was jetzt passiert, ist ein Fortschritt.

Und dennoch lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte. Die Trainerlizenz sei „sicher als Asset von Vorteil“, so Pröll, „aber kein unmittelbares Muss mehr“. Man wolle den Kreis nicht verengen. Das klingt vernünftig. Ein Sportdirektor führt, verhandelt, baut Strukturen. Er steht nicht täglich am Trainingsplatz.

Nur: Ein paar Etagen unter der Verbandsspitze gelten andere Regeln. Der ÖFB schreibt seinen Akademien und Nachwuchszentren vor, wer dort Sportlicher Leiter sein darf. Ohne UEFA-Pro-Lizenz oder ohne A-Lizenz samt Elite-Junioren-Lizenz geht dort nichts (siehe Faksimile). Kein Asset, kein Vorteil, sondern schlicht Voraussetzung. Wird das nicht erfüllt, gibt es Sanktionen von Kürzung der Fördermittel bis hin zum Entzug des Akademie-Status. Und auch für diese Sportlichen Leiter gilt, dass sie vor allem organisieren, Trainer und andere Mitarbeiter führen, Strukturen pflegen, Strategien entwerfen.

Pikant wird das durch die Aufgabenbeschreibung für die gesuchte Person: Der neuen Sportdirektor soll u.a. die Talentförderung und die Trainerausbildung verantworten. Also genau jenes System, das die Lizenzen vergibt und ihre Bedeutung festlegt.

Vielleicht hat daran schlicht niemand gedacht, als das Anforderungsprofil erstellt wurde. Entwickelt wurde es von den Geschäftsführern, für die Vorauswahl wird ein Kreis mit Pröll und seinen Stellvertretern im Aufsichtsrat hinzugezogen. Juristen, Unternehmer, Betriebswirte – aber niemand, dessen Kernkompetenz der Sport ist. Spielt deshalb eine zentrale Regel des eigenen Systems in diesem Profil nun keine Rolle?

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Das heißt natürlich noch nicht, dass der ÖFB am Ende jemanden ohne Trainerkompetenz holt. Aber: Sollte ein Verband, der seine Standards ernst nimmt, sie nicht auch für sich selbst gelten lassen?

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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