RH mahnt bei knappen Budgets für Gratisimpfungen auf Risikogruppen zu achten

Politik

Der Rechnungshof (RH) hat in einem am Freitag veröffentlichten Bericht zum „Gratis-Impfprogramm Grippe, Gürtelrose und Pneumokokken“ dazu geraten, besonders auf Risikogruppen zu achten. „Angesichts des begrenzten Budgets empfiehlt der Rechnungshof, eine Differenzierung der angestrebten Durchimpfungsrate nach vulnerablen Personengruppen zu prüfen“, hieß es in einer Aussendung. Eine solch differenzierte Vorgangsweise könne auch bei Lieferengpässen in Betracht gezogen werden.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass wegen Lieferverzögerungen 868.000 Dosen des Grippe-Impfstoffs Influvac statt wie vereinbart im Oktober erst Ende November zur Verfügung stehen werden. Das Gesundheitsministerium kündigte daher an, besonders gefährdete Gruppen bei der Impfung mit anderen Influenza-Impfstoffen zu priorisieren.

Die Influenza-Impfung ist seit der Saison 2023/24 in Österreich im Rahmen des Öffentlichen Impfprogramms (ÖIP) kostenfrei verfügbar. Das ÖIP ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern und Sozialversicherung. In der Finanzausgleichsperiode 2024 bis 2028 stehen jährlich 90 Millionen Euro, also insgesamt 450 Millionen Euro, für das Impfen zur Verfügung. Diese Mittel wurden hauptsächlich für das ÖIP verwendet. Limitiert ist die Zahl der Gratis-Impfungen durch das dafür verfügbare Budget, erläuterte der RH.

Genaue Daten zur Durchimpfung fehlen

Für die Influenzasaison 2023/24 standen maximal 35 Millionen Euro und für die Influenzasaison 2024/25 maximal 40,96 Millionen Euro zur Verfügung. Dieser Budgetrahmen begrenzte die beschaffte Impfstoffmenge und damit auch die Durchimpfungsrate. In der ersten Saison konnten rund eine Million Impfdosen und in der zweiten Saison rund 1,25 Millionen Impfdosen angekauft werden. Rechnerisch ergibt das eine Durchimpfungsrate von rund 11,1 beziehungsweise rund 13,5 Prozent.

Ob das angestrebte Ziel – Impfbereitschaft und Durchimpfungsrate zu erhöhen – mit dem ÖIP bisher erreicht wurde, ist mangels aussagekräftiger Daten nicht nachvollziehbar, monierte der RH. Seit Jänner 2021 müssen Influenza-Impfungen im e-Impfpass dokumentiert werden. Allerdings gab es bis zu einer Gesetzesnovelle im Sommer 2026 Ausnahmen beziehungsweise kamen Ärztinnen und Ärzte ihrer Eintragungspflicht nicht durchgehend nach. In den Saisonen 2023/24 und 2024/25 war rund ein Drittel der maximal verimpfbaren Impfdosen nicht im e-Impfpass eingetragen.

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Erhöhte Nachfrage bei Gürtelrose-Impfung

Seit Oktober 2025 sind kostenlose Impfungen gegen Gürtelrose und Pneumokokken für Personen ab 60 und Risikopersonen ebenfalls Teil des ÖIP. Für die Abschätzung des Bedarfs wurden die Durchimpfungsraten aus Deutschland herangezogen. Doch die Nachfrage nach dem kostenfreien Gürtelrose-Impfstoff war hierzulande deutlich höher, erläuterte der RH. Ab 20. Oktober 2025 war er im e-Impfshop für Impfstellen und Ärzte bestellbar. Die Kontingente waren jeweils binnen weniger Tage ausgeschöpft.

Die bestellbare Menge wurde pro impfender Stelle daraufhin limitiert, um möglichst vielen die Bestellung aus dem jeweiligen Kontingent zu ermöglichen. Bereits Ende März 2026 hatte das Gesundheitsministerium die maximale Abrufmenge der ersten Rahmenvereinbarung in Höhe von 650.000 Gürtelrose-Impfdosen annähernd ausgeschöpft. Die Bundesbeschaffung GmbH schloss im April 2026 eine weitere Rahmenvereinbarung für 1,10 Millionen Impfdosen ab. Insgesamt soll regelmäßig evaluiert werden, welche Impfungen für welche Altersgruppen über das ÖIP finanziert werden sollen, empfiehlt der RH.

Öffentliche Kritik der Ärztekammer

„Sowohl in Zusammenhang mit der Influenza- als auch mit der Gürtelrose-Impfung wurden Konflikte zwischen dem Gesundheitsministerium und den Ärztekammern medial ausgetragen. Der Rechnungshof empfiehlt sachliche, transparente und proaktive Kommunikation“, wurde in der Aussendung betont. Medial ausgetragene Konflikte zwischen Ärztekammern und dem Gesundheitsministerium seien „vor allem der Reputation des ÖIP …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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