Bauernbund-Chef Strasser: „Das heurige Jahr ist ein Katastrophenjahr“

Politik

ÖVP-Politiker Georg Strasser, Präsident des Österreichischen Bauernbundes, sieht in den Dürrehilfen für die Landwirtschaft einen großen Wurf. Der Ernteertrag wird heuer wegen der Hitze deutlich hinter jenem der vergangenen Jahre liegen.

KURIER: Herr Strasser, beginnen wir mit einem aktuellen Thema. Im Marchfeld soll das Tiefkühlwerk der Firma Ardo – den meisten wegen der Iglo-Produkte bekannt – geschlossen werden. Rund 500 Gemüsebauern wären davon betroffen. Wie haben Sie die Meldung aufgenommen?

Georg Strasser: Diese Meldung ist wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen (siehe Seite 23). Es war eine Schockwelle für das Marchfeld. An die 500 Bauern, die über Jahrzehnte eine Gemüseproduktion mit Bewässerung aufgebaut haben, würden im nächsten Jahr vor der Tür stehen. Da werden wir kämpfen.

Das Werk ist für die Lebensmittelproduktion in Österreich sehr wichtig. Es besteht damit die Gefahr, dass eine entscheidende Lebensmittelproduktion ins Ausland abwandert.

Das ist die große Gefahr. Zum einen wollen wir natürlich bäuerliche Wertschöpfung sichern. Da geht es um bäuerliche Einkommen, da geht es um Familienbetriebe, die wirtschaften wollen und müssen. Zum anderen geht es um die Eigenversorgung. Gerade bei Gemüse und Obst ist bezüglich des Selbstversorgungsgrads Luft nach oben. Wenn es um die Mengen und die Preise geht, ist jedes Kilo, das österreichisch produziert wird, für die Versorgungssicherheit und die Preisbildung relevant.

Im heurigen Sommer hat die Lebensmittelproduktion unter der Dürre gelitten, und die Bauern waren massiv davon betroffen. Das hat ganz Österreich gesehen, dennoch musste in der Regierung ganz lange gerungen werden, ehe die Dürrehilfen beschlossen worden sind. Warum?

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Ich war bei den Verhandlungen mittendrin. Ich möchte mich an dieser Stelle bei unserem Minister Norbert Totschnig und Bundeskanzler Christian Stocker bedanken. Ohne deren Engagement, aber auch ohne das Engagement von Finanzminister Markus Marterbauer am Ende des Weges hätte es das Hilfspaket nicht gegeben. Dass es dann diese Summe von

240 Millionen Euro für die Bauern gibt in dieser Geschwindigkeit – ich kenne kein anderes europäisches Land, das das politisch so beschlossen hätte.

Das muss man dennoch hinterfragen, weil die Verhandlungen etliche Tage gedauert haben und am Ende sogar der Kanzler eingreifen musste. Es haben ja alle drei Regierungsparteien gesehen, was da auf den Feldern passiert ist.

Die Kritik ist zulässig. Ein, zwei Wochen früher wäre schon möglich gewesen, vor allem aus Sicht der betroffenen Bauern. Ich komme aus dem westlichen Niederösterreich, da hatten wir wüstenartige Zustände. Das schlägt auf das Gemüt, das war eine Naturkatastrophe. Aus diesem Grund haben wir uns extrem bemüht. Wir geben Liquiditätshilfen, in der Sozialversicherung werden zwei Monate erlassen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, und es gibt Unterstützungsleistungen, damit Bäuerinnen und Bauern anbauen, die Tierbestände halten, Futter und Dünger kaufen können, um für die Konsumenten auch 2027 verlässlich zur Verfügung zu stellen.

Aber hat es Sie nicht geärgert, dass dieses Thema auf einmal mit dem Klimagesetz verknüpft worden ist?

Das war ärgerlich. Auf der anderen Seiten haben wir zum Zeitpunkt des Beschlusses gewusst, dass uns die Bevölkerung mit einem starken Votum ausstattet. In Umfragen waren bis zu 70 Prozent in der Bevölkerung überzeugt davon, dass die Landwirtschaft in Österreich Unterstützung braucht.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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