
Im waldreichen Norden Finnlands, 35 Kilometer östlich der Stadt Oulu, treibt der IT-Konzern Google sein bisher größtes KI-Rechenzentrumsprojekt in Europa voran. Der 571 Hektar große Campus sieht gleich zwei riesige Bauwerke vor, bereits 330 Hektar Wald wurden dafür gerodet.
Doch das ehrgeizige Vorhaben wurde jetzt – sehr zur Freude von Umweltschützern – von den finnischen Behörden gestoppt. Tuike Finnland, das Google in Finnland vertritt, steht im Verdacht, den Wald ohne vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gerodet zu haben. Bevor weitergebaut wird, muss das Ergebnis der UVP abgewartet werden.
Google zeigte sich einsichtig: „Wir haben Verständnis für die geäußerten Bedenken und erkennen an, dass wir in diesem konkreten Fall unseren eigenen hohen Standards nicht gerecht geworden sind“, sagte ein Sprecher.
Boom bei Rechenzentren
Google hatte bereits 2009 eine ehemalige Papierfabrik in der Küstenstadt Hamina erworben und zu einem Rechenzentrum umgebaut; seitdem hat der Konzern seine Präsenz in Finnland schrittweise erweitert. In den nächsten Jahren will Google 13 Milliarden Euro in Serverfarmen an vier neuen Standorten in Finnland investieren.
Das Land hat dank des kühlen Klimas sowie der relativ stabilen und günstigen Stromversorgung in den vergangenen Jahren einen Boom bei Rechenzentren erlebt. Zugleich wächst der Widerstand in der Bevölkerung gegen die Umweltzerstörung.
Google Rechenzentrum in Oberösterreich ohne UVP
Auch in Österreich errichtet Google derzeit einen großen Rechenzentrumscampus in Kronstorf in Oberösterreich. Das Projekt ist wegen des hohen Wasser- und Stromverbrauchs umstritten. Eine UVP war für die Genehmigung nicht nötig, weil die Gesetze das 2020 nicht vorsahen.
Nachdem bekannt wurde, dass der Campus viel größer wird als ursprünglich geplant, wächst der Widerstand in der Bevölkerung und Bürgerinitiativen fordern eine nachträgliche UVP. Oberösterreichs Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) lässt dies für das Google-Zentrum in Kronstorf derzeit prüfen.
Rückenwind erhält er aus Niederösterreich, wo das geplante Datacenter des US-Konzerns CloudHQ in Leopoldsdorf (Bezirk Bruck an der Leitha) nach einem Feststellungsverfahren einer UVP unterzogen wird. In Burgenland beschloss soeben die rot-grüne Landesregierung strengere Auflagen. So soll etwa der Strom aus erneuerbarer Energie kommen und die Abwärme Haushalten, Betrieben oder der Landwirtschaft zugutekommen. Die Bundesregierung will große Rechenzentren ab 100 MW Anschlussleistung grundsätzlich UVP-pflichtig machen. Die UVP-Novelle ging kürzlich in Begutachtung.
Stromnetzdienliche Rechenzentren sind möglich
Wie es gelingen kann, Rechenzentren auch zur Stabilisierung des Stromnetzes einzusetzen, zeigt eine internationale Studie unter Leitung der Technischen Universität (TU) Wien. So könnte das Training großer KI-Modelle zu Zeiten stattfinden, in denen besonders viel erneuerbare Energie verfügbar sei. Bisher seien Rechenzentren in der Netzplanung als gewöhnliche Verbraucher betrachtet worden, die jederzeit eine gewünschte Leistung erhalten müssten.
Um Netzdienlichkeit sicherzustellen, schlagen die Wissenschafter spezielle Verträge mit einer garantierten Basisleistung und einer bei Netzüberlastung vorübergehend reduzierbaren Zusatzleistung vor. Um die Infrastruktur gut planen zu können, wäre laut Studie eine bessere Datenlage zu den Veränderungen des Stromverbrauchs nötig.
Anonymisierte Betriebsdaten sowie Informationen zur verwendeten Hardware könnten hier Abhilfe schaffen. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass der Boom der Künstlichen Intelligenz zu einer Renaissance fossiler Energieträger führe. In den USA seien 39 Prozent der in Planung befindlichen Gaskraftwerksleistung für Rechenzentren vorgesehen.
In Österreich gibt es derzeit rund 50 bis 60 Rechenzentren, die meisten davon in Wien. Beim Netzbetreiber APG …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



