Volksschule bis 12: „Über 40 Schulen wollen das machen“

Politik

Es war ein ungewöhnlicher Termin, der Donnerstagabend im Ägydiussaal der Stadtpfarre Korneuburg stattfand: Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) und Lehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG) nahmen gemeinsam auf einem Podium Platz, um die Maßnahmen und Ideen des Ministers zu diskutieren.

Gleich das erste Thema wurde besonders kontroversiell diskutiert: Wiederkehr will bald einen größeren Schulversuch für eine sechsjährige Volksschule starten. „Wir sind eines der wenigen Länder in der EU, indem die Kinder schon vor dem zehnten Lebensjahr eine gravierende Lebensentscheidung treffen müssen – zur Frage Mittelschule oder Gymnasium. Das zehnte Lebensjahr ist laut allen Psychologen ein ganz sensibles Alter, wo sich Interessen noch enorm verändern können. Ich bin überzeugt, dass ein längeres gemeinsames Lernen und eine Entscheidung mit 12 Jahren besser für die Kinder ist.“

Wiederkehr klärte auf, dass sich bereits „mehr als 40 Schulen für den Schulversuch der sechsjährigen Volksschule gemeldet hätten, jetzt müsse sein Haus eine Auswahl treffen.

Kimberger lehnt diesen Schulversuch nicht grundsätzlich ab: „Es gibt so viele Schulversuche, da kommt es auf einen mehr auch nicht mehr an.“ Ob Österreichs Schulsystem grundsätzlich zu früh trenne, ließ er unbeantwortet, er kritisierte aber die OECD, die ein Schulsystem auf alle Staaten ausweiten will. „Das wird nicht gehen. Bei uns ist das historisch gewachsen, und wir müssen auch auf die Gegebenheiten Rücksicht nehmen.“

Kimberger möchte lieber über die Pädagogik diskutieren, wo Volksschullehrer in ersten Klassen Kindern gegenüberstehen, die einen Entwicklungsunterschied von drei Jahren und mehr haben.

Wiederkehr nahm den Ball auf, er versprach das zweite verpflichtende Kindergartenjahr, das sei mit 80 Mio. € im Budget finanziert. Und er versprach weniger Bürokratie und eine Stärkung der Schulautonomie. „Da bin ich ein Verfechter“, konterte Kimberger, es könne aber nicht sein, dass sich die Schulautonomie in einer autonomen „Verwaltung der Mängel“ am Standort erschöpfe: „Diese Autonomie möchte ich nicht haben.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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