Warum moderne Küchen jetzt wieder ein Hinterzimmer brauchen

Wirtschaft

Hinter einer scheinbar geschlossenen Hochschrankfront kann heute ein ganzer Raum verschwinden: Regale, Getränkekisten, Vorräte, Küchenmaschinen, manchmal sogar eine zusätzliche Arbeitsfläche. Was früher schlicht Speisekammer hieß, kommt mit neuen Namen und Aufgaben zurück. Hidden Pantry, Prep Kitchen oder Schmutzküche heißen Varianten, die eines gemeinsam haben: Sie holen aus dem Blickfeld, was eine offene Wohnküche braucht, aber nicht unbedingt zeigen möchte.

„Wir beobachten seit einigen Jahren eine steigende Nachfrage nach Speisekammern und separaten Vorratsbereichen“, sagt Andreas Hirsch, Geschäftsführer von EWE. Ein Grund liegt für ihn in veränderten Lebenskonzepten: Küche, Essen und Wohnen gehen ineinander über, gleichzeitig werden viele Einfamilienhäuser ohne Keller gebaut.

Stauraum, der früher eine Etage tiefer lag, muss also näher an die Küche rücken. Gefragt sind begehbare Vorratsbereiche, „Hidden Storages“ oder großzügige Hochschranklösungen, die viel aufnehmen, ohne die ruhige Optik der Wohnküche zu stören. Dass die klassische Speis nun flächendeckend ihre Wiederauferstehung feiert, wäre allerdings zu viel gesagt. Im städtischen Wohnbau sieht Peter Berchtold, Leiter Vertrieb bei der BUWOG, ein differenzierteres Bild. Kleinere Wohnungen und mehr Einpersonenhaushalte erhöhen zwar den Druck auf jeden verfügbaren Stauraummeter. „Je kleiner eine Wohnung ist, desto wichtiger ist integrierter Stauraum – das muss aber nicht zwingend ein separater Vorratsraum sein, sondern kann häufig auch durch an den Grundriss angepasste intelligente Möbellösungen erreicht werden.“ 

Hauptsache Platz, kann man seine Erfahrung zusammenfassen – ob im Extraraum oder im Küchenmöbel.  Auch Krisenvorsorge ist nicht der alleinige Motor des Comebacks. Im urbanen Alltag mit dichtem Supermarktnetz und Lieferdiensten spiele gezielte Vorratshaltung als Kaufargument laut Berchtold kaum eine Rolle.

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Ganz verschwunden ist das Thema dennoch nicht. Der Österreichische Zivilschutzverband empfiehlt, Lebensmittel für mindestens zehn bis 14 Tage vorrätig zu halten, und verweist auch auf den finanziellen Nebeneffekt: Wer länger plant, kann Aktionen besser nutzen. Beim Preisargument lohnt allerdings ein genauer Blick. Nach Jahren kräftiger Teuerung waren in Österreich Nahrungsmittel im vergangenen Sommer im Schnitt sogar um 0,3 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor; die allgemeine Inflation lag im September allerdings bei 3,6 Prozent.

Kein Selbstzweck

Entscheidender ist ohnehin, was die Speis im jeweiligen Grundriss leisten soll. „Eine Speisekammer ist kein Selbstzweck“, sagt Architektin Sophie Pfeffer von DESTILAT. Wenn sie Abläufe sinnvoll ergänzt und genügend Platz vorhanden ist, sei sie ein „Nice-to-have“. Dient sie vor allem der Lagerung, darf sie in einer innen liegenden Zone ohne Tageslicht liegen. Wird sie zur Vorbereitungsküche, sollte sie an die Hauptküche anschließen.

Wie groß sollte so ein Raum sein? Andreas Hirsch von EWE nennt für eine komfortabel nutzbare Speisekammer mindestens drei bis vier Quadratmeter. Sophie Pfeffer setzt die Latte höher, sobald Arbeitsfläche, Kühlung oder Geräte dazukommen: Rund fünf Quadratmeter seien dann sinnvoll.

Noch wichtiger als die reine Fläche sei die Geometrie. Regaltiefen, Bewegungsraum und Türanschlag entscheiden darüber, ob aus wenigen Quadratmetern ein brauchbarer Arbeitsraum oder bloß eine enge Kammer wird. „Im Zweifelsfall ist eine größere, sehr gut organisierte Küche funktionaler als eine zu klein dimensionierte Speisekammer“, sagt Pfeffer. Gerade die Tür ist heute Teil des Konzepts. Besonders beliebt sind laut Hirsch Vorratsräume, deren Zugang in einer durchgehenden Hochschrankfront verschwindet.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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