Ticketsteuer für Flughafen Wien „ein Schuss ins eigene Knie“

Wirtschaft

Der Flughafen Wien verzeichnet sinkende Passagier-Zahlen. Fluglinien wie Ryan Air reduzieren die Flugzeuge und damit die angebotenen Strecken.

Flughafenvorstand Günther Ofner führt das unter anderem auf die Ticketsteuer und die dadurch höheren Kosten für Airlines zurück. „Wir haben uns im Wettbewerb hinausgepreist“, sagte Ofner am Freitagabend in der ZiB 2. Fluggesellschaften seien deshalb abgewandert. Die Ticketsteuer sei „ein Schuss ins eigene Knie“ und ein „Arbeitsplatzförderprogramm für Bratislava“. Die zwei Millionen Passagiere, die Wien heuer fehlten, verzeichne nun der Flughafen Bratislava zusätzlich, sagt er.

Hohe Flughafengebühren in Österreich

Ofner sprach sich dafür aus, die Ticketsteuer zumindest zu reduzieren. Ein Teil des Verkehrs könne dadurch nach Wien zurückkehren. Das würde „dem Finanzminister letztlich höhere Steuereinnahmen bringen als die derzeitige Abgabe“, sagte er.

Mehrere europäische Länder, darunter die Slowakei, hätten die Steuer abgeschafft. Insgesamt gebe es in der Europäischen Union nur noch acht Länder, die eine solche Abgabe einheben. Zugleich seien die öffentlichen Kosten, Steuern und Abgaben für Airlines in Österreich seit 2019 um 80 Prozent gestiegen. Im europäischen Durchschnitt habe der Anstieg 40 Prozent betragen, die Flughafengebühren seien in Österreich um 22 Prozent gewachsen.

Als besonderen Wettbewerbsnachteil bezeichnete Ofner die Nähe Bratislavas. Der Flughafen liegt rund 55 Kilometer von Wien entfernt und erhebt keine Ticketsteuer. Für sogenannte „Low-Cost-Carrier“ mache die Abgabe etwa ein Drittel der Kosten aus. Wenn Flugzeuge in Bratislava stationiert würden, hätten die Airlines daher entsprechend niedrigere Ausgaben.

„Verdrängung, kein ökologischer Lenkungseffekt“

Den ökologischen Lenkungseffekt der Ticketsteuer stellte Ofner zudem infrage. Dadurch werde kein Flug gestrichen, sondern lediglich an einen anderen Standort verlagert. „Der Effekt findet nicht statt, maximal eine Verdrängung.“

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Zugleich warnte er vor den Auswirkungen des europäischen Green Deals auf die Luftfahrt. Bei vollständiger Umsetzung der derzeit geplanten Maßnahmen könnten die Ticketpreise um 20 bis 30 Prozent steigen und europäische Flughäfen und Airlines gegenüber außereuropäischen Anbietern benachteiligt werden.

Europa verliere dadurch zunehmend an Boden gegenüber neuen Drehkreuzen außerhalb der Europäischen Union, sagte Ofner. Weniger Flugverkehr bedeute weniger Beschäftigung und Wirtschaftswachstum.

In seiner Funktion als Aufsichtsratschef der österreichischen Staatsbeteiligungen befürwortete Ofner außerdem den von Bundeskanzler Christian Stocker geplanten Staatsfonds für die Pensionsversicherung grundsätzlich. 

Der Aufbau eines solchen Vermögensstocks wäre aus seiner Sicht für den Kapitalmarkt wichtig, weil Österreich und Europa gegenüber den USA und China eine ausreichende Kapitalbasis fehle.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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