
Die Wahl fiel auf ihn, weil er einer der Vertrauten von Noch-Vizekanzler Andreas Babler ist. Weil der SPÖ-Chef nur unter der Prämisse, ihm das Amt zu übergeben, alsbald von der Spitze der Partei weicht und weil ihm von der Bevölkerung das meiste Vertrauen entgegengebracht wird.
Laut APA-OGM-Vertrauensindex vom Juli 2026 genießt Finanzminister Markus Marterbauer (+11) nach Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen (+23) und der Dritten Nationalratspräsidentin Doris Bures (+15) das meiste Vertrauen unter den Regierungsmitgliedern. Zum Vergleich: Bablers Saldo aus habe Vertrauen/habe kein Vertrauen liegt bei –35, Neos-Staatssekretär Josef Schellhorn ist mit –38 Schlusslicht.
Eben dieses Vertrauensindex-Argument wird seit einer Woche mantrahaft ins Treffen geführt wird, um zu begründen, warum Marterbauer, der sich gegenwärtig einer Krebsbehandlung unterziehen muss, der designierte Vize der SPÖ für 2027 sein soll.
Ein Argument, das auf den ehemaligen AK-Chefökonomen seit Amtsantritt zutrifft, aber kein Alleinstellungsmerkmal ist. „Finanzminister genießen bis auf wenige Ausnahmen immer ein besonders hohes Ansehen und haben dem entsprechend besonders hohe Vertrauenswerte“, erklärt OGM-Chef und Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer.
Besonders beliebt sind die „Säckelwarte der Republik genau dann, wenn sie sparen und nicht, wenn sie Geld ausgeben“, so Bachmayer angesichts der Vertrauenswerte der Finanzminister der letzten Jahrzehnte. Das „Koste es, was es wolle“-Budget von Gernot Blümel während der türkis-grünen Regierung und der Pandemie kam, wie die Grafik zeigt, gar nicht gut an. Als ebenfalls wenig vertrauenswürdig erachtet wurde Nachfolger Magnus Brunner.
Reizfigur & Nulldefizit
Ein „Ausreißer im Minusbereich war Maria Fekter, die einzige Frau, die bisher das Finanzressort geleitet hat“, sagt der OGM-Chef. „Das liegt auch daran, dass sie in ihrer vorherigen Funktion als Innenministerin mit Sagern („unbeeindruckt von Rehlein-Augen“ bei der abgeschobenen Arigona Zogaj) für Negativschlagzeilen gesorgt hat.
Das Gegenteil der „Reizfigur Fekter“ erreichte Karl-Heinz Grasser, der der Regierung Schüssel I und II von 2000 bis 2007 erst als FPÖ dann als BZÖ-Finanzminister angehörte und den Satz prägte: „Ein guter Tag beginnt mit einem sanierten Budget“. Das Nulldefizit wurde in seiner Ministerzeit ein Mal erreicht.
Nach Grasser ging es nur für ÖVP-Finanzminister Josef Pröll, der wie Vorgänger Wilhelm Molterer auch Vizekanzler war, in lichte Höhen. Prölls Saldo aus Vertrauen haben/kein Vertrauen haben lag im März 2009 bei 41 Prozent. Im Vergleich dazu nachgerade bescheiden wirkt das Vertrauen in den amtierenden Finanzminister, der trotz Sparpaket in den letzten Monaten bei der Bevölkerung wieder punkten konnte. Im April 2025 lag Marterbauers Wert bei 9, zwischendurch bei 4 und nun wieder bei 11.
Source:: Kurier.at – Politik



