„Arielle“: Disneys Traumfabrik lädt in Baden zum Baden

Kultur

Zugegeben, wer hätte der kleinen Meerjungfrau von Hans-Christian Andersen nicht das Happy End gewünscht, das sie in der Disney-Verfilmung erleben darf?

Die Geschichte der Nixe, die sich in einen Prinzen verliebt und im Original dafür ihr Leben lassen muss, inspirierte Komponisten wie Antonin Dvorak zur Märchenoper „Rusalka“. Eng angelehnt daran brachte 1989 der Maus-Konzern im bezaubernden Animationsfilm „Arielle“ das kleine Wasserwesen auf die Leinwand. Die Filmmusik verschaffte Howard Ashman und Alan Menken Oscar, Golden Globe, Grammy und fasziniert seither Millionen. 2009 folgte die Broadway-Version.

Andreas Gergen, Intendant der Bühne Baden, zeigt nun die deutschsprachige Version und landet damit einen Coup. Wer das Genre Musical schätzt, wird begeistert sein. Gergen demonstriert, wie großes Kino auf einer kleinen Bühne funktioniert.

Bereits beim Heben des Vorhangs taucht man in die Unterwasserwelt ein. Fische und wundersame Wesen schweben über die toll ausgestattete Bühne (Momme Hinrichs) und laden zum Baden. Der Wechsel in die Welt der Menschen geschieht im besten Wortsinn fließend, etwa, wenn sich die Unterwassertreppe dreht und in ein Schiff verwandelt. Da wogt das Meer, da rackern die Matrosen.

Triton (Andreas Lichtenberger), der Unterwasserkönig regiert mit Dreispitz, Quallen tanzen auf, Seepferdchen und Nixen in wunderbaren Kostümen. Das ist pures Märchen. All das bliebe jedoch leere Hülle, wenn die Besetzung nicht ebenso alles mitbrächte, was ein Musical braucht.

Verträumtes Mädchen

Anna Rosa Döller verkörpert Arielle als verträumtes Mädchen im Teenageralter, die sich der Strenge ihres Vaters widersetzt. Sie hat ihm nie geglaubt, dass alle Menschen böse sind, noch weniger, als sie sich in einen Prinzen verliebt, dem sie das Leben rettet, als er Schiffbruch erleidet. Betörend intoniert sie mit ihrer klaren Sopranstimme ihre Songs. Beherzt verwandelt sie sich in eine junge Frau, lernt von der Möwe Scuttle (großartig Jens Emmert), ihre Beine zu gebrauchen und vor allem Optimismus.

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Maya Hakvoort reißt den Part der bösen Hexe Ursula energetisch an sich und mit ihren eingängigen Songs mit. Magnet dieser Produktion ist Ramesh Nair als Sebastian. Er spielt die sympathische Krabbe mit jeder Phase seine tänzerischen Qualitäten aus und singt grandios. Wer nicht gebannt verfolgt, wie ihn der Küchenchef (Beppo Binder) jagt, und dann noch Lust auf Schalentiere verspürt, dem ist schwer zu helfen.

Staunen wie ein Kind

Ja, man darf man bei dieser Produktion noch immer wieder wie ein Kind staunen. Tolles leistet der junge Darsteller des Fabius, der auf Rollschuhen über die Bühne saust. Timotheus Hollweg ergänzt mit seiner herben Stimme als echter Märchenprinz.

Ein Atout, das man nicht hoch genug schätzen kann, ist das Orchester der Bühne Baden. Dirigent Michael Zehetner holt mit diesen Musikerinnen und Musikern alles heraus, bringt diese Musik zum Swingen, da ist von schwelgerischen Melodien bis zu einem Hauch von Dixie-Sound alles drin. Er liefert ein starkes Plädoyer für den Fortbestand dieses Klangkörpers, der von der Auslöschung bedroht ist. In den Jubel des Publikums für diese gelungene Produktion stimmt man gerne ein.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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