
Mariam Hage ist, zum Glück, nicht zu stoppen. Noch bevor das Interview so richtig losgeht, hat man schon zwei Buchtipps bekommen und gemeinsam darüber philosophiert, was man den Kindern denn sagen soll, weil „so viele Sachen auf der Welt oasch sind“, wie die Schauspielerin lachend sagt.
Wie also bewegt man sich durch diese komplizierte Welt? Hage hält sich, und das ist in dieser Zeit des zunehmenden Nichtlesens allein schon eine Freude, „sehr an der Literatur fest. Und wir müssen auf dieser Hoffnung beharren: Es gibt in der Geschichte viele Beispiele, wo etwas fast unmöglich gewirkt hat, aber die Menschen es gemeinsam bewältigt haben“ (dazugehöriger Buchtipp: „Hoffnung in der Dunkelheit“ von Rebecca Solnit).
Lebendigkeit
Hage möchte ihr Geschichtsstudium beenden, hat auch Philosophie studiert – und „100.000 Gedanken im Kopf“. Über die KI etwa („Das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass wir alle sterben. Naja.“). Oder über Träume und deren Gegenteil, die Sicherheit: Diese „ist das Gegenteil von Spontanität und Neugier, von Mitmenschlichkeit und der Freude am Neuen, am Anderen, am Unbekannten. Kurz, Sicherheit ist der Tod alles Lebendigen. Träume dagegen bedeuten Lebendigkeit“, liest sie aus einem Buch von Arno Gruen vor, das sie aus ihrer Handtasche kramt.
Das Interview hat, wohlgemerkt, immer noch nicht begonnen. Und Hage hat, scheint es, noch mindestens 100.000 Gedanken mehr. Über das Gute, das Sterben, über Nick Cave, Oscar Wilde und Leonard Cohen, das bedingungslose Grundeinkommen und das Lesen.
Das Gespräch mit der Schauspielerin „(Fälle der Gerti B.“, „Push“), die heuer für die KURIER ROMY nominiert ist, ist rasch so etwas wie ein Statement: Denken lohnt sich immer noch, weil es glücklich macht. Wobei Hage einschränkt: „Je mehr ich sagen möchte, desto mehr denke ich, dass ich keine Ahnung von irgendetwas habe. Ich weiß, dass ich nichts weiß“, sagt sie lachend. Ein guter Satz! „Der ist mir spontan eingefallen, vielleicht zahlt der nächstes Jahr meine Miete!“ (Sie weiß natürlich, von wem der Satz ist.)
Damit sind wir endlich bei der geplanten Einstiegsfrage angekommen. Man teilt ein gemeinsames Schicksal (das Philosophiestudium) und bittet um Antwort auf eine oft gestellte Frage: Wozu, bitte, studiert man Philosophie? „Weil ich so verdammt neugierig bin und alles wissen will“, sagt Hage. „Es ist wirklich schlimm! Ich möchte gerne die Welt verstehen.“ Was nicht ganz leicht ist, bestätigt sie. „Wir sind einfach so überfordert! Wir haben im Prinzip das gleiche Hirn wie die Menschen vor Jahrtausenden, und das denkt sich die ganze Zeit so: Was zum Teufel passiert hier?“
Ist sie vielleicht Schauspielerin geworden, um die Menschen zu verstehen? „Ja, aber nur unter anderem. Es hat auch etwas Egoistisches, warum ich das Schauspiel liebe: Man ist als Mensch am glücklichsten, wenn man sich selbst vergisst. Das ist das Gegenteil von all dieser Selbstoptimierung, die uns alle leider ein wenig ins Unglück gestürzt hat. Beim Schauspiel erlebst du dieses Wunderbare, dass du einfach im Moment bist. Das ist etwas sehr Euphorisches und sehr Befriedigendes. Es macht einfach Spaß!“
Ein Ort des Sehens
Aber ja, „der Ursprung des Theaters ist, ein Ort zu sein, an dem man sieht. Wir verstehen die Welt durch …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



