Pharmamanagerin fordert mehr Planbarkeit für klinische Studien

Wirtschaft

Der heimische Pharmastandort verliert seit Jahren an Boden: Immer mehr klinische Studien finden in anderen Ländern statt. Ashley Krotchen, seit Juli Chefin des Pharmaunternehmens Eli Lilly in Österreich, erklärt im Gespräch mit dem KURIER, was sich ändern muss, damit Österreich im internationalen Wettbewerb nicht weiter zurückfällt.

Dabei könne Österreich auf eine starke klinische und wirtschaftliche Expertise bauen, betont die US-Amerikanerin. Dennoch ist die Zahl der Anträge für klinische Studien zwischen 2021 und 2024 um 30 Prozent gesunken. 2025 hätten sich die Zahlen zwar etwas stabilisiert, allerdings auf einem unzureichenden Niveau. „Das war nicht genug“, sagt Krotchen.

Klinische Studien in Österreich „nicht selbstverständlich“

Eli Lilly führt weiterhin klinische Studien in Österreich durch, unter anderem in den Bereichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Onkologie. Nach erfolgreichem Abschluss will der Konzern die Zulassung der untersuchten Medikamente in Europa, den USA und Japan beantragen. „Wir führen in Österreich klinische Studien durch, auch wenn wir das meiner Meinung nach nicht als selbstverständlich ansehen dürfen“, sagt Krotchen.

Ein Problem seien die langsamen Abläufe und die mangelnde Planbarkeit am heimischen Standort. Die Eli-Lilly-Chefin fordert deshalb effizientere Verfahren und Rahmenbedingungen, die Österreich für Forschung und Entwicklung attraktiver machen. Andere europäische Länder seien bei klinischen Studien schneller, flexibler und wettbewerbsfähiger. Deutschland und Frankreich etwa seien bei Diabetesmedikamenten besser aufgestellt, auch Polen leiste im Bereich der klinischen Forschung viel.

Ambulante Verfügbarkeit sei zu langsam

Neben der Forschung sieht Krotchen auch beim Zugang zu neuen Therapien Handlungsbedarf. Laut einer Auswertung des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI) dauerte es im Zeitraum 2020 bis 2023 im Median 463 Tage von der Zulassung eines Medikaments bis Patienten zu diesem ambulant tatsächlich Zugang erlangen. Dass neue Medikamente im Spitalsbereich meist rasch verfügbar seien, sei eine Stärke des österreichischen Gesundheitssystems. Außerhalb der Kliniken bleibe der Zugang jedoch häufig verzögert.

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Für Investitions- und Studienentscheidungen sei entscheidend, dass Innovationen nach ihrer Zulassung auch tatsächlich in der Regelversorgung ankommen. „Wissenschaftlicher Fortschritt allein reicht nicht, wenn dieser den Menschen in Österreich letztendlich nicht in nennenswerter Weise zugutekommt“, sagt Krotchen.

Der chinesische Mitbewerb sei „beeindruckend schnell“

Auch China gewinnt als Forschungsstandort an Bedeutung. Die dortigen Rahmenbedingungen unterschieden sich zwar deutlich von jenen in Europa, doch das Tempo bei klinischen Studien sei „beeindruckend“ – insbesondere im Bereich der Adipositas-Medikamente. Eli Lilly ist in diesem Markt mit dem Medikament Mounjaro vertreten, das unter anderem zur Behandlung von Adipositas eingesetzt wird. Der Konzern hat zudem ein entsprechendes Präparat zur oralen Einnahme entwickelt. Dieses wurde im April in den USA zugelassen, in der EU steht die Zulassung laut Krotchen noch aus.

Für die europäischen Märkte sieht sie den wachsenden asiatischen Wettbewerb allerdings nicht als die unmittelbar größte Herausforderung. „Ich weiß nicht, ob es tatsächlich eine Rolle spielt, was China in Zukunft erforscht, wenn es für eine Person, die in Österreich an Adipositas leidet, nach wie vor unmöglich ist, Zugang zu Innovationen zu erhalten.“

KI könnte die Forschungszeit halbieren

Auch mögliche Preisvorteile chinesischer Präparate sieht Krotchen nicht als allein entscheidend. Preiswettbewerb sei zwar ein Faktor, bei Therapieentscheidungen komme es aber vor allem auf Wirksamkeit und Sicherheit an.

Hoffnung setzt die Pharma-Chefin auf Künstliche Intelligenz (KI). Diese könne in der …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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