Tractive-Gründer nach Mega-Deal: „Traue keiner Private-Equity-Firma“

Wirtschaft

Es war der größte Deal der heimischen Start-up-Geschichte. Im März wurde Tractive, oberösterreichischer Weltmarktführer für GPS-basiertes Haustier-Tracking, für knapp 800 Mio. Euro an das italienische Unternehmen Bending Spoons verkauft. „Von außen hat alles ganz einfach ausgesehen“, sagte Gründer Michael Hurnaus beim Austrian Startup Summit, das vergangene Woche in der Ottakringer Brauerei in Wien stattfand: „Der Verkauf war aber harte Arbeit.“

Denn geklappt hat der Deal erst im vierten Anlauf. Davor ist er, nach jeweils wochenlangen Vorbereitungen, drei Mal kurz vor dem Abschluss gescheitert, wie Hurnaus ausführte. 

Beim ersten Mal wollte das Private-Equity-Unternehmen, das an Tractive interessiert war, einen Tag vor dem Abschluss den Preis um fünf Prozent drücken. Die Gründer lehnten das ab. Beim zweiten und dritten Mal machten die Investoren kurz vor dem Abschluss einen Rückzieher. Wenige Monate später ging das Unternehmen schließlich für eine Rekordsumme an Bending Spoons.  

Er habe daraus gelernt, dass man immer großartig sei, bis es um den Preis und die Konditionen gehe, erzählt Hurnaus. Und auch: „Traue keiner Private-Equity-Firma. Sie lügen dir alle ins Gesicht.“

Motto: „No risk, no fund(ds)“

Bei dem „Klassentreffen der Start-up-Szene“, zu dem sich hunderte Gründer, Investoren und Interessierte einfanden, plauderten heimische Größen aus dem Nähkästchen. Unter dem Motto „No risk, no fun(ds)“ wurde das unternehmerische Risiko  gefeiert.

Es sei sehr schwierig, mit Start-ups finanziell erfolgreich zu sein, sagte der Business Angel Hansi Hansmann, der allerdings auf eine Reihe von erfolgreichen Verkäufen zurückblicken kann. Darunter Runtastic, Shpock, Mysugar und Busuu. Auch an Tractive war er beteiligt.

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Üblicherweise passieren erfolgreiche Deals aber nicht allzu oft, sagte Hansmann. Investoren, deren oberste Priorität es sei, kommerziell erfolgreich zu sein, sollten lieber die Hände von der Start-up-Finanzierung lassen. Ohne Investoren gehe es aber nicht, meinte Hansmann. Denn Start-ups seien Treiber der Wirtschaft. Er mahnte deshalb Steuererleichterungen für Investoren ein. 

Auch als Gründer verdiene man üblicherweise nicht viel Geld, sagte Tobias Homberger, der seine Sport- und Fitnessplattform myclubs 2024 für einen kolportierten zweistelligen Millionenbetrag an das deutsche Unternehmen Urban Sports Club verkaufte. Klappe der Exit nicht, habe man viele Jahre an Einkommen, das man vielleicht anderswo verdient hätte, verloren. 

„Spannende Reise“

Unternehmertum sei hart, für ihn aber „die spannendste Reise überhaupt“, sagte Heizma-Gründer Michael Kowatschew. Als sein Start-up, das Hausbesitzer beim Umstieg von fossilen Heizungen auf erneuerbare Energiesysteme unterstützt, nach einem erfolgreichen ersten Jahr ins Trudeln geriet, hatten die Gründer alle Hände voll zu tun, es wieder auf Kurs zu bringen. Die Erfahrungen, die er dabei gemacht habe, seien viel wichtiger gewesen als jene im ersten Jahr, als alles geklappt habe.

Solche Erfahrungen noch vor sich hat möglicherweise  das Weltraum-Start-up Proxima Stella, das vor einem Jahr vom Silicon Valley nach Wien übersiedelte. Das von den beiden US-Amerikanern Lauren Bazley und Mark Langer gegründete Unternehmen hilft Satellitenbetreibern dabei, mehr Daten auf die Erde zu schicken. 

Ein Multi-Milliarden-Dollar-Problem, für das es noch keine Lösung gebe, sagte Gründerin Bazley. Mit ihrem Ansatz sieht sich Proxima Stella für den stark wachsenden Markt gut gerüstet. Die Jury der abschließenden „Pitch Competition“ konnte sie jedenfalls überzeugen. 

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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