Korrupte Ärzte? Neue Studie zu Zwei-Klassen-Medizin sorgt für Wirbel

Politik

Eine Studie zur Gesundheitsversorgung in Österreich sorgt für heftige Verstimmung zwischen Arbeiterkammer und Ärztekammer. Die Arbeitnehmer-Vertreter aus OÖ hatten das IHS beauftragt, eine Untersuchung zum Thema Zwei-Klassen-Medizin durchzuführen. Das Ergebnis: Privatpatienten kommen deutlich rascher zu einem OP-Termin als Kassenpatienten.

Die privaten Zugangswege verkürzten die Wartezeit auf elektive Operationen teils beträchtlich, so die AK: Wer kein eigenes Geld in die Hand nahm, hatte im Median eine Wartezeit von 20 Wochen. Wer privat zuzahlte oder einen privaten Kontakt nutzte, wartete 12,5 bzw. 17,5 Wochen. Mit einer privaten Zusatzversicherung verkürzte sich die Zeit auf acht Wochen. Wenn man mehrere private Kanäle nutzte, konnte man sie auf 7,5 Wochen drücken, so das Ergebnis der Studie.

Es dürften aber auch Bildungsgrad und Einkommen Einfluss auf die Wartezeit haben: Befragte mit Pflichtschul- oder Lehrabschluss warteten im Schnitt 25 Wochen auf einen OP-Termin, jene mit höherer formaler Bildung nur 16 Wochen. Patienten mit einem monatlich verfügbaren Haushaltseinkommen von mehr als 2.100 Euro mussten 18,5 Wochen ausharren, jene mit geringem Einkommen 24 Wochen.

Für Aufregung sorgen nun die Schlussfolgerungen, die Ines Stilling, Bereichsleiterin für Soziales in der Bundesarbeiterkammer, aus der Untersuchung zieht: Ein Gutteil der dabei Befragten habe bestätigt, dass sie erst von den behandelnden Ärzten auf diese Möglichkeit hingewiesen wurden. Das zeige, „dass man sich mit Bezahlung vielleicht im leicht korruptiven Bereich vorschummeln kann“, sagt sie auf Ö1.

Ärzte empört

Das sorgt bei der Ärztekammer für Empörung. „Diese pauschalen Verdächtigungen sind nicht hinzunehmen“, sagt Kammerpräsident Johannes Steinhart. „Unsere Ärzte halten jeden Tag das Gesundheitssystem am Laufen und geben ihr Bestes für die Patienten. Wir erwarten für diesen Generalverdacht eine Entschuldigung.“ Um Wartezeiten zu verkürzen fordert Steinhart einmal mehr einen „deutlichen Ausbau des öffentlichen Gesundheitssystems“.

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Abgesehen von solchen Schuldzuweisungen sorgt die Studie für breite politische Reaktionen. Von einem „Angriff auf das Grundprinzip unseres solidarischen Gesundheitssystems“, spricht der grüne Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner. Er fordert ein gesetzliches Verbot solcher Vorreihungen mit echten Konsequenzen für die Ärzte und Spitäler, die diese ermöglichen. Nach schwedischem Vorbild soll es zudem eine verbindliche OP-Garantie geben. Weiters Wartelisten, „bei denen alle sehen können, wer wie lange wartet“.

Schallmeiner wird eine Anfrage zum Thema bei Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) einbringen. „Sie muss offenlegen, warum die Bundesländer die gesetzlich vorgeschriebenen transparenten Wartelisten bis heute nicht umsetzen und warum der Bund nicht längst eingeschritten ist“, so der grüne Mandatar.

SPÖ-Gesundheitssprecher Rudolf Silvan kritisiert die Vorreihung gegen Geld ebenfalls. Er verweist zugleich auf die jüngsten Maßnahmen der Regierung, um, die öffentliche Gesundheitsversorgung auszubauen. Etwa die neuen Primärversorgungseinheiten. Derzeit gibt es 126, bis 2030 soll es 300 im ganzen Land geben. Und auch auf der Weiterentwicklung von 1450 sowie auf Telemedizin liege ein starker Fokus.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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