Sturms Wut auf Graz: Warum Rapid und Austria schlechter dran sind

Sport

„Scheinbar ist ein Kind in Graz deutlich weniger wert als ein Kind in Wien, Linz oder Salzburg. Das tut weh.“ Christian Jauk hat nach der 0:3-Niederlage von Sturm Graz in der Europa League gegen Bournemouth seinem Ärger Luft verschaffen und dabei ein Bild gezeichnet, das emotionalisieren soll. Der Auslöser: die Holding Graz steigt aus seinen Sponsoringverträgen mit Sturm, dem GAK und dem Eishockeyteam der Graz 99ers aus.

Konkret geht es laut der Stadt Graz um 580.000 Euro bei Sturm, 310.000 Euro beim GAK und 300.000 bei den 99ers. Bereits am Donnerstag kündigte Österreichs Eishockeymeister an, von Freitag bis Sonntag das „Graz“ aus Namen und Logo zu streichen.

Die 99ers gingen voran

„Die Nachricht hat uns zu einem Zeitpunkt erreicht, als wir in der Champions Hockey League in Norwegen Graz vertreten und weit über alle Grenzen hinausgetragen haben“, sagte 99ers-Manager Bernd Vollmann. Stunden später zog Sturm nach. Beim Einlaufen in Bournemouth war auf den Aufwärmjacken der Spieler das Wort „Graz“ im Wappen überklebt. Es soll nicht die einzige Maßnahme bleiben.

Präsident Jauk sagte nach dem Spiel gegenüber mitgereisten österreichischen Journalisten: „Nicht die Stadt fördert Sturm, sondern Sturm fördert die Stadt.“ Der Klub zahle mehr ein, als er bekomme, so der Klubboss, im Zivilberuf CEO der Grawe Bankengruppe. Hat er recht?

Jauk führt die Auswirkung auf den Breitensport und eine gesunde Gesellschaft ins Treffen, die durch den Spitzensport ausgelöst werde. „Man braucht nur in die Schulen, in die Kindergärten gehen. Vielleicht geht dort die Stadtpolitik nicht hin, vielleicht merken sie gar nicht, wie viele sich dort freuen, sich zu bewegen. Die brauchen Vorbilder. Und die Vorbilder, die schaffen wir.“

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Wien, Wien nur du allein

Beziffern lässt sich das nicht. Was sich sehr wohl konkret darstellen lässt, sind Beiträge, die die Wiener Klubs zu leisten haben, und die es in der Steiermark ebenso nicht gibt, wie in den sieben restlichen Bundesländern. In Wien gibt es seit 1948 den „Sportgroschen“. Er wurde eingeführt, um die im Krieg zerstörten Sportstätten wieder aufzubauen. Er heißt heute offiziell Sportförderungsbeitrag.

Wer in Wien für eine Sportveranstaltung Eintritt verlangt, führt nicht weniger als 12,5 Prozent der Ticketerlöse an die Stadt ab. Bis 2025 waren es noch zehn Prozent.

Rapid hat laut KURIER-Recherchen in der vergangenen Saison erstmals einen siebenstelligen „Sportgroschen“ an die Stadt abgeführt und deutlich über eine Million Euro an Zuschauereinnahmen gleich wieder verloren. In der laufenden Saison wird (nach dem Europacup-Aus) mit rund einer Million für die Stadt kalkuliert.

Die letzte größere Förderung durch die Stadtregierung war übrigens die Errichtung eines Spielfeldes im (insgesamt zehn Millionen teuren) Trainingszentrum im Prater um rund zwei Millionen Euro im Jahr 2022.

Die Capitals, ein Nettozahler

Mehrere Hunderttausend Euro muss die Austria abtreten. Zur Kasse gebeten werden auch die Vienna Capitals. Mit 131.541 Zuschauern in der vergangenen Saison war der Eishockeyklub ein Big Player im Wiener Sport. Der Verein ist im EU-Jargon ein Nettozahler an die Stadt Wien. Mehr als 200.000 Euro aus den verkauften Tickets gehen an die Stadt, dazu kommt noch der Anteil von der Gastro. Capitals-Geschäftsführer Patrick Wondra betont: „Spitzensport im kleinen österreichischen Markt ist ohne Unterstützung der Kommunen nicht …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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