Rail Cargo: Alarmsignal aus dem Güterverkehr

Wirtschaft

„Die Stimmung in der Belegschaft befindet sich auf einem alarmierenden Tiefpunkt“, beginnt ein mit 12. Oktober datiertes Schreiben der drei Zentralbetriebsräte der Rail Cargo Austria AG an das Management. Der Güterverkehr ist das große Sorgenkind der ÖBB und droht, wirtschaftlich an die Wand zu fahren.

Die Belegschaftsvertreter formulieren sehr nachdrücklich ihre Sorgen um die Zukunft der Rail Cargo, die im Vorjahr mehr als 135 Millionen Euro Verlust einbrachte, und üben harte Kritik an der bahn-internen Organisation. Dazu muss man wissen, dass diese Betriebsräte von allen Belegschaftsvertretern der ÖBB den Markt am besten kennen und am nächsten dran sind. Die Cargo steht im Gegensatz zum Personenverkehr voll im Wettbewerb.

Aufträge von Kunden ablehnen zu müssen, weil man die Leistung nicht erbringen kann. Ein Horror für jedes Unternehmen, bei der 5800 Mitarbeiter großen Cargo aber kein Einzelfall. „Trotz vorhandener Aufträge können zahlreiche Leistungen aufgrund fehlender Triebfahrzeuge, Triebfahrzeugführer:innen, mangelnden Wagenmaterials, einer Vielzahl an Baustellen und weiterer betrieblicher Engpässe nicht oder nur eingeschränkt erbracht werden“, heißt es in dem Schreiben, das dem KURIER vorliegt.

Es sei kritisch zu hinterfragen, „weshalb weiterhin Ressourcen in problematisch defizitäre Geschäftsbereiche wie MML, Eurasia und RoLa fließen, während in den ertragsrelevanten Kernbereichen akuter Personal- und Ressourcenmangel herrscht“. In den profitablen Kernbereichen würden laufend Überstunden aufgebaut, die Belastungsgrenze der Mitarbeiter würde zunehmend überschritten. Der geplante Abbau von 400 Mitarbeitern bei den Technischen Services, den Werkstätten, würde das Personalproblem weiter verschärfen.

So wurde der Einzelwagenverkehr (Waggon wird beim Kunden abgeholt und zugestellt) im Vorjahr mit 60 Millionen Euro gefördert. Die umweltpolitisch gewünschte RoLA (Rollende Landstraße, Lkw werden auf Zug verladen) mit zehn Millionen, trotzdem sind beide Bereiche darüber hinaus defizitär.

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Aufgrund der Personalengpässe würden zunehmend Verkehre an Dritt-EVU (Eisenbahnverkehrsunternehmen) vergeben, beispielsweise an die CD-Cargo Österreich, eine Tochter der tschechischen Staatsbahn.

Marktanteil sinkt weiter

Man sei mitten in der Reorganisation des Güterverkehrs, kontert Konzernsprecher Peter Thier gegenüber dem KURIER. Aufgrund von Bauarbeiten müsse der Güterverkehr derzeit großräumig umfahren, was in Einzelfällen zu Engpässen führe, sich im Oktober aber stabilisiert habe.

Apropos Baustellen: Laut Schienen Control ging der Cargo-Marktanteil 2025 weiter auf 52 Prozent zurück, vor allem baustellen-bedingt. Im lukrativen Ganzzug-Segment (Anbieter organisiert einen ganzen Zug von A nach B) rangieren die ÖBB überhaupt nur noch bei 36,5 Prozent.

Die Kritik, dass weiterhin Ressourcen in defizitäre Bereiche fließen würden, könne man nicht nachvollziehen, „gerade in ertragsrelevanten Bereichen setzen wir ausreichend Ressourcen ein“. In Österreich fahre man nahezu zur Gänze alles mit eigenen Loks und Lokführern. Ein Verkauf der Cargo sei nicht geplant, falls Joint Ventures Sinn machen, würden sie geprüft.

Die Belegschaft, die Ende September in einem Town-Hall-Meeting über die schwierige wirtschaftliche Lage informiert wurde, drängt auf eine „glaubwürdige, langfristige Strategie“ für die Jobs und das Unternehmen. Genau da liegt aber das Problem. Der Holding-Vorstand unter Noch-CEO Andreas Matthä und der Aufsichtsrat arbeiten im Auftrag von SPÖ-Mobilitätsminister Peter Hanke an einer neuen Struktur, es soll die größte Bahnreform seit mehr als 20 Jahren werden. Die längst überfällige Strategie für die Cargo dürfte allerdings weiter hinaus geschoben werden.

Freilich sind nicht alle Probleme hausgemacht. Die Rail Cargo Group ist nach der Deutschen Bahn das zweitgrößte …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

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