Krise bei der Austria: Wie es Stephan Helm jetzt geht

Sport

September 2021, 0:2 gegen die Austria. Auf dem Weg zum TV-Interview spüre ich, dass meine Zeit als LASK-Trainer zu Ende geht. Von den Rängen gibt es „Thalhammer raus“-Rufe. Meine Familie ist im Stadion. Die Rufe hören auch während des Gesprächs nicht auf. Der Reporter fragt mich, ob ich glaube, noch der richtige Trainer zu sein.

Am nächsten Morgen läutet mein Telefon. Präsident Gruber bittet um ein Treffen. Im Gespräch erklärt er mir, der Druck der Sponsoren sei zu groß, er könne mich nicht halten.

Heute wird bei der Austria über die Zukunft von Stephan Helm diskutiert. Er selbst bezeichnet die Situation im TV-Interview als normalen Zustand für einen Trainer. Ich bin sicher: So etwas lässt keinen Menschen kalt, auch nicht Trainer-Kapazunder wie Jose Mourinho.

Mich erinnert sie daran, wie schwierig es damals für mich war, der Mannschaft Sicherheit zu vermitteln, während meine eigene Zukunft unsicher wurde.

Das kostet Energie

In den letzten Wochen beim LASK wurden die Gespräche mit den Verantwortlichen weniger. Beide Seiten zogen sich zurück. Die Fragen blieben: Wie wird meine Arbeit noch gesehen? Besteht noch Vertrauen? Wo Antworten fehlten, begann ich, Signale zu deuten. Das kostete mich Energie, die ich für die Mannschaft gebraucht hätte.

Rückblickend ist mir klar, wie wichtig es ist, in solchen Situationen im Dialog zu bleiben. Als Trainer muss ich den Klubchefs erklären, welche Probleme ich erkenne und wie wir daran arbeiten. Von den Verantwortlichen braucht es eine ebenso klare Rückmeldung. Sonst arbeitet jeder mit Vermutungen weiter. Die Spieler brauchen eine Erklärung dafür, was im nächsten Spiel besser funktionieren soll.

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Unter diesem Druck ist es schwierig, das richtige Maß an Veränderung zu finden. Man sucht nach Lösungen, will zeigen, dass man handelt. Sichtbare Veränderung kann aber auch neue Unsicherheit schaffen.

Ideen nicht einfach über Bord werfen

Ein Beispiel: Eine Mannschaft ist gewohnt, hoch zu attackieren. Nun bekommt sie den Auftrag, sich weit zurückzuziehen und nahe am eigenen Strafraum zu verteidigen. Das wirkt zunächst vorsichtiger. Für die Spieler bedeutet das aber, sie sollen Sicherheit in einer Spielweise finden, die ihnen womöglich weniger vertraut ist.

Vielleicht würde es der Mannschaft mehr helfen, die Abstände beim Pressing zu verkürzen oder den Moment des gemeinsamen Anlaufens besser abzustimmen. Die eigenen Ideen aufzugeben behebt Fehler jedenfalls nicht automatisch.

Dieselbe Aufmerksamkeit braucht das eigene Verhalten. Reagiere ich auf einen Fehler im Training plötzlich anders? Versuche ich, Härte oder Gelassenheit zu zeigen, die nicht zu mir passt? Spieler merken es sofort, wenn man sich anders gibt als sonst. Für mich gehört deshalb zur Arbeit an einer sportlichen Krise auch die Frage, ob ich Orientierung gebe oder meine Unruhe weitertrage.

Was es braucht: Klare Kommunikation, kein Aktionismus wie eine völlig neue Spielweise oder der Austausch der halben Startelf sowie die Kunst, als Person authentisch zu bleiben.

Die Austria muss beurteilen, ob sie mit Stephan Helm aus der Krise finden kann. Bei einem Wechsel bleibt für die Vereinsführung aber die entscheidende Frage: Was würde ein Nachfolger konkret besser lösen?

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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