Westjordanland: Der Krieg gegen den Olivenbaum

Politik

„Normalerweise haben wir zu dieser Zeit 60, 70 Säcke geerntet“, erzählt der Erntehelfer Ammar Hamayel der Deutschen Welle aufgebracht. „Heute haben wir nur drei, vier Säcke geschafft. Sie lassen uns nicht arbeiten, sie attackieren uns.“ Hamayel zeigt auf schwarz vermummte Gestalten, die auf dem Hügel stehen und auf die Arbeiter herunterblicken.

Für viele palästinensische Familien im besetzten Westjordanland ist die Olivenernte, die eigentlich gerade Hochsaison hat, zu einem Wettlauf gegen die Zeit geworden. Unter der rechtsextremen Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der mit Finanzminister Bezalel Smotrich auch ein extremistischer Siedler angehört, ist nicht nur die Zahl illegaler Außenposten israelischer Siedler gestiegen, sondern auch jene der Angriffe während der Erntezeit.

Gewalttätigste Olivenernte seit Aufzeichnung

Die UN sprechen gar von der gewalttätigsten Olivenernte seit Aufzeichnungen: In den ersten zwei Oktoberwochen wurden mindestens 160 Angriffe israelischer Siedler im Zusammenhang mit der Olivenernte registriert. 2025 registrierte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCH) 1.836 Übergriffe, bei denen Menschen oder Tiere zu Schaden kamen oder Sachschaden entstand. 2026 wurden in den ersten sieben Monaten bereits 1.418 solcher Angriffe gezählt.

Die Siedler kommen mit Schlagstöcken und werfen Steine; ihre Gewalt, zum Teil mit Unterstützung des israelischen Militärs, richtet sich nicht nur gegen Palästinenser: Mitunter zerstören sie die Olivenhaine, die für die Palästinenser ein kulturelles Symbol darstellen. Zwischen 2023 und Ende September 2026 sollen mehr als 286.000 Olivenbäume beschädigt worden sein, davon 100.000 heuer, noch vor Beginn der Erntesaison.

Schusswechsel mit Toten

Selbst nach den jüngsten Siedler-Attacken auf die Washington-Post-Fotografin Heidi Levine und europäische Diplomaten vergangene Woche stellte sich Netanjahu hinter die Siedler, die, obwohl sie nach israelischem Recht illegal vorgehen, von Staat und privaten Spendern unterstützt werden.

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Die Lage im besetzten Westjordanland ist vor den Parlamentswahlen am 27. Oktober umso angespannter. Am Freitag wurden bei einem Schusswechsel nahe Hebron im Süden des Westjordanlandes zwei israelische Soldaten getötet und drei verletzt, zwei palästinensische Angreifer sollen das Feuer eröffnet haben.

Netanjahu machte die islamistische Terrororganisation Hamas für den Angriff verantwortlich, die in einem Schreiben den Angriff lobte, ihn aber nicht für sich reklamierte. Der Premier rief daraufhin eine Anti-Terror–Operation aus, die noch am Freitag begann – die Armee und der Inlandsgeheimdienst Shin Bet sprachen von Einsätzen an Dutzenden von Orten mit dem Ziel, „terroristische Infrastruktur zu lokalisieren und zu zerschlagen“.

Bewohner des Gebietes mussten dieses nach Befragungen verlassen, Straßensperren wurden errichtet. Bilder zeigten Bulldozer in der von Israel besetzten Stadt Hebron, die ein Gebäude abrissen, laut Sicherheitskräften handelte es sich dabei um „illegale Strukturen, die eine Sicherheitsbedrohung darstellen könnten“. An manchen Häusern, die offenbar von Soldaten übernommen worden waren, hingen israelische Flaggen. Die palästinensische Autonomiebehörde sprach von einer Kollektivstrafe für die Bevölkerung.

Der Bürgermeister von Hebron, Yousef al-Jabari, sagte dem arabischen Nachrichtenkanal Al Jazeera, seit Freitag seien 2.200 Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden. Die Ibrahimi-Moschee, das Wahrzeichen der Stadt, sei abgesperrt worden, alle Mitarbeiter hätten sie verlassen müssen und Gebete in der Moschee seien verboten. Nach der Entscheidung Israels, die Stadt abzuriegeln, könnten Bewohner Hebron weder betreten noch verlassen. Diese Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Laut Netanjahu soll die Operation mehrere Tage dauern. …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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