Ardo-Schließung: Slowakei als möglicher Ausweg für die Marchfeld-Bauern?

Wirtschaft

Die 190 Mitarbeiter des Ardo-Tiefkühlwerks in Groß-Enzersdorf und die rund 500 Gemüsebauern der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) im Marchfeld steigen nächsten Montag auf die Barrikaden. Der „Initialfunke“ dazu sei vom Arbeiterbetriebsrat von Ardo ausgegangen, sagt ETG-Obmann Robert Kriegl. Jetzt kommt es zu einem Schulterschluss und es wird vor dem Werk in Groß-Enzersdorf gemeinsam demonstriert. Denn nach der angekündigten Schließung des Ardo-Werks stehen beide Gruppen vor einer ungewissen Zukunft.

Während die niederösterreichische Landespolitik um Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf intensiv nach Lösungen sucht, rücken mögliche neue Player in den Fokus. Dabei wird unter anderem über die Grenze geschaut. So werden slowakische Tiefkühlproduzenten als mögliche Abnehmer ins Spiel gebracht. Laut ETG-Obmann Robert Kriegl versucht sich seine Genossenschaft neu zu orientieren und prüft verschiedene Optionen. Dazu zählt auch die mögliche Zusammenarbeit mit ausländischen Verarbeitern in „taktisch erfüllbarer Nähe“.

Blick zu den Nachbarn

Als konkreter Name ist dabei der slowakische Tiefkühlgemüse-Hersteller Equus aufgetaucht, der seinen Sitz in Bratislava hat, seine Produktion aber im südöstlich gelegenen Vinica betreibt. Das Unternehmen erwirtschaftet nach vorliegenden Informationen rund 20 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt 181 Mitarbeiter. Der Standort Vinica produziert laut Unternehmensangaben neben Wurzelgemüse und Spinat vor allem grüne Erbsen und Mais, die rund 80 Prozent der Produktion ausmachen. Die Entfernung von rund 170 Kilometern zwischen dem Marchfeld und Vinica wäre laut Kriegl für Spinat durchaus machbar: „Wenn man nach Holland oder Belgien schaut, da wird schon teilweise über 100, 150, vielleicht sogar 200 Kilometer gefahren.“

Keine Stellungnahme

Ob Equus überhaupt freie Kapazitäten und Interesse an österreichischem Gemüse hat, ist derzeit unklar. Eine schriftliche Anfrage des KURIER wurde bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

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Kriegl betont: „Jede Möglichkeit, die es gibt, ist natürlich zu prüfen.“ Neben Equus wurden in der Slowakei weitere Tiefkühlproduzenten identifiziert, die allerdings hauptsächlich auf Backwaren, Kartoffeln oder Teigwaren spezialisiert sind.

Als Alternative zu slowakischen Produzenten wird auch die Suche nach einem neuen Produktionsstandort in Österreich vorangetrieben. „Es gibt laufend Gespräche und es werden die Möglichkeiten abgewogen“, sagt Kriegl zum KURIER.

Die Iglo-Schiene

Entscheidend für die Zukunft der Marchfeld-Gemüsebauern ist auch die Position von Iglo Österreich. Der Tiefkühlriese bezieht jährlich rund 3.200 Tonnen Spinat von Ardo und wirbt seit Jahrzehnten mit dem Marchfeld als Herkunftsangabe.

„Die trifft es verhältnismäßig am härtesten“, meint Kriegl. Iglo Österreich habe zwar prinzipiell Interesse an österreichischem Gemüse bekundet, direkte Kontakte zur ETG gebe es aber noch nicht. Iglo gehört zum börsennotierten Player Nomad Foods, der mit 8.000 Mitarbeitern rund drei Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Iglo selbst baut im deutschen Münsterland um das Werk Reken bis zu 5.000 Hektar Gemüse an.

Eine Anfrage an die Pressestelle von Iglo Deutschland, die offenbar auch für Österreich zuständig ist, wurde bis Redaktionsschluss des KURIER nicht beantwortet.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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