Wohnungsnot und Inflation: Warum Europas Jugend protestiert

Wirtschaft

In zahlreichen europäischen Ländern hat es zuletzt teilweise gewalttätige Proteste gegeben. Die Ursachen sind vielfältig, es gibt aber einen gemeinsamen Nenner. Es sind die wachsenden Probleme vieler Jugendlicher, sich ein wirtschaftlich eigenständiges Leben aufzubauen. In Österreich ist die Lage bis dato relativ ruhig. In Wien demonstrierten unlängst Tausende und forderten eine Erhöhung des Uni-Budgets. Zu Halloween gab es in der Bundeshauptstadt zwei Demonstrationen.

Bei der Studentendemo vor gut einer Woche blieb es bis auf kleinere Scharmützel ruhig. Die Halloween-Proteste verliefen bis zum Abend friedlich, erst in der Nacht kam es zu Randalen. In Deutschland hatte die Initiative „Gen Z regelt“ zu Protesten in mehr als 30 Städten aufgerufen. Nach einem zunächst friedlichen Protest Zehntausender junger Menschen, kam es Samstagabend vor allem in Frankfurt und Köln zu gewaltsamen Szenen und heftigen Ausschreitungen. Auch in Basel und Zürich in der ansonst ruhigen Schweiz gab es gewaltsame Szenen.

Der rote Faden aller Demonstrationen sind neben den Themen Bildung, Wohnen, Arbeit und Kriegsangst die steigenden Lebenshaltungskosten. Aufgrund der europaweiten Energiekrise, hohen Inflationsraten und zunehmend leerer Staatskassen rückt bezahlbares Leben immer mehr in den Fokus vieler vor allem junger Menschen.

„Druckkochtopf“ Frankreich

In Frankreich drehten sich die Proteste zunächst um übervolle Klassenzimmer, schlechte Ausstattung an Schulen, zu wenig Lehrerkräfte und ungleiche Bildungschancen. Von Paris ausgehend breiteten sich die Demonstrationen auf Großstädte quer durch das Land aus. Zunehmend rückte dabei die schlechte wirtschaftliche Lage vieler junger Franzosinnen und Franzosen ins Zentrum.

Ein österreichischer Geschäftsmann beschrieb die Situation in Frankreich im APA-Gespräch als „Druckkochtopf“. Der 51-Jährige, der sich regelmäßig in dem Land aufhält, berichtete dass die Situation anders als sonst noch mehr aufgeladen sei. Bei einer Autofahrt durch Marseille seien ihm trotz defensiven Fahrverhaltens aufgrund der aggressiven Fahrweise anderer Verkehrsteilnehmer fast drei Unfälle passiert. Außerdem würden Lenker mit ihren Autos stehenbleiben, aussteigen und zu schimpfen beginnen.

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Auch in kleineren Städten wie Clermont-Ferrand sei die Situation bei Schülerprotesten vor einem Lycée (vergleichbar mit einer österreichischen Oberstufe an einem Gymnasium) innerhalb von zehn Minuten hochgekocht, Vermummte hätten Molotow-Cocktails gebastelt und sich mit Wurfgeschossen ausgestattet. Wie der Geschäftsmann meinte, gebe es vergleichsweise eine kürzere Vorlaufzeit, bevor Gewalt angewandt werde, als in Österreich. Generell sei dem 51-Jährigen aufgefallen, dass quer durch das Land zusätzliche Polizeieinheiten und Militär präsent seien.

Politische und finanzielle Krise

Neben dem Bildungsbereich drehen sich die Proteste in der „Grande Nation“ um die politische und finanzielle Krise des Landes. Ende Oktober stufte die US-Ratingagentur Fitch den Ausblick für die Bonität Frankreichs auf „negativ“ hinunter. Zur Begründung verwies Fitch auf ein niedriger erwartetes Wirtschaftswachstum, eine sich verschlechternde Haushaltslage und Schwierigkeiten bei der Kontrolle der Schuldenquote.

Außerdem nahmen die Proteste eine außenpolitische Dimension an, waren doch zahlreiche palästinensische Fahnen zu sehen. Neben Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen und der Ablehnung des Krieges werden die zunehmenden Militärausgaben in Frage gestellt.

In Italien fällt der Auszug schwer

In Italien sind es vor allem wirtschaftliche Zwänge, die junge Menschen auf die Straße treiben. Der Auszug aus dem Elternhaus fällt oft schwer, auch eine gute Ausbildung garantiert keinen adäquaten beruflichen Werdegang und monetäre Unabhängigkeit. In Städten wie Mailand, Bologna, Turin, Rom und Florenz war …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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