Jobs für über 60-Jährige: Neues Bonus-Malus-System vorgestellt

Wirtschaft

Die Altersarbeitslosigkeit steigt seit Monaten überdurchschnittlich stark an, insbesondere bei  Frauen über 60 durch die Angleichung des Pensionsantrittsalters. Schon jede dritte Frau und  jeder vierte Mann geht aus der Arbeitslosigkeit in Pension. Viele davon, weil sie keinen neuen Job mehr finden und schon bei der Bewerbung „aussortiert“ werden. Der KURIER berichtete.

In mehr als einem Viertel aller heimischen Betriebe ab 20 Mitarbeiter arbeitet keine einzige Person über 60. Fast zwei Drittel (61,6 Prozent) beschäftigt keine Frau über 60 Jahre. Um die Beschäftigtenquote bei Älteren zu erhöhen, wollen Arbeitnehmervertreter die Betriebe stärker in die Pflicht nehmen. 

Arbeiterkammer und Gewerkschaft legten am Montag ihr Modell eines Bonus-Malus-Systems vor. „Betriebe die Ältere beschäftigten, sollen belohnt werden, jene die sie aussortieren, sollen draufzahlen“, fasst AK-Präsidentin Renate Anderl zusammen. Das faire Modell soll für mehr Gerechtigkeit und dafür sorgen, dass die Kosten der Altersarbeitslosigkeit nicht länger auf die Allgemeinheit abgewälzt werden.  

Älterenquoten je nach Branche

Das System soll 2027 starten, gilt für alle Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern und sieht bestimmte Zielquoten für die Beschäftigung von über 60-Jährigen je nach Branche vor. Ein Mal im Jahr werden die Beschäftigtenzahlen des Betriebes in der Arbeitsmarktdatenbank mit der Zielquote abgeglichen. Konkret soll – laut Monitoring des Sozialministeriums – der Anteil der 60- bis 64-jährigen unselbstständig Beschäftigten insgesamt von 5,22 Prozent im Jahr 2025 schrittweise auf 7,69 Prozent im Jahr 2030 steigen. Die Zielquote reicht vom Bau mit 5,59 Prozent bis zur öffentlichen Verwaltung mit 11,37 Prozent. 

Für Betriebe gilt: Eine weitere ältere Person muss erst beschäftigt werden, wenn die rechnerische Soll-Zahl die nächste ganze Zahl erreicht oder überschreitet – bei 1,98 genügt also eine Person, erst ab 2,0 sind es zwei. 

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615 Euro im Monat Malus bei Unterschreitung

Die Betriebe haben ein Jahr Zeit zu reagieren. 2028 wird geprüft, ob die Quote erreicht wird. Bei Unterschreitung ist ein Malus von 15 Prozent des durchschnittlichen Jahreslohns im jeweiligen Unternehmen fällig. Das sind im Schnitt rund 615 Euro im Monat. Betriebe, die ihre Quote hingegen übererfüllen, erhalten einen Bonus. In den Folgejahren gilt immer die Zielquote des Vorjahres. Bis 2031 muss die Zielquote für 2030 erreicht sein. 

Die Hälfte des Aufkommens aus dem Malus-Topf soll direkt an die Bonus-Betriebe fließen, der Rest an das AMS zweckgebunden für Wiedereingliederungsmaßnahmen. 

Modellrechnung: 266 Millionen Euro Malusaufkommen

Laut Modellrechnung von AK und ÖGB auf Basis der Arbeitsmarktdatenbank vom April würden 8.909 Betriebe die Älterenquote erfüllen, 9.760 lägen darunter und wären vom Malus betroffen. Insgesamt fehlen damit 36.087 Stellen für Ältere, wobei in der öffentlichen Verwaltung am meisten Stellen fehlen, während etwa im Handel mehr Betriebe mit Bonus-Anspruch sind.

Das Malus-Aufkommen würde 266 Mio. Euro betragen und auf die Betriebe und AMS aufgeteilt werden. 

 „Unser Modell straft niemanden willkürlich ab, sondern belohnt Vernunft und soziale Verantwortung. Wer Ältere im Team hält, spart sich nicht nur die Ausgleichszahlung, sondern kann aus dem Bonus-Topf konkrete Fördermittel abrufen – etwa für ergonomische Anpassungen, alternsgerechtes Arbeiten oder Weiterbildung“, erläutert Anderl. 

Bonus-Malus-System schon einmal gescheitert

Zur Erinnerung: Schon vor zehn Jahren wollte der damalige Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer ein ähnliches Bonus-Malus-System zur Beschäftigung über 55-Jähriger umsetzen. Das Modell erwies sich aber als in der Praxis schwer …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

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