Meine Tochter war Hartz-IV-Kind – so habe ich ihr aus der Armut geholfen

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Das schlimmste, was meiner Meinung nach passieren kann, ist, wenn das eigene Kind arbeitslos wird und von Hartz IV lebt.

Da ich als Mutter in den letzten 30 Jahren immer wieder meinen Job verloren und Sozialhilfe sowie Hartz IV bezogen habe und immer noch beziehe, weiß ich, vor welchen Herausforderungen eine Familie steht, um Armut nicht an ihre Kinder zu vererben. Meine Tochter jedoch hat es geschafft: Sie ist eines der wenigen Hartz-IV-Kinder in Deutschland, denen der Aufstieg gelungen ist.

Natürlich hat die Armut Spuren in meiner Familie hinterlassen. Gerade meine Tochter konnte ihr Leben oft nicht so gestalten wie ihre Altersgenossen.

► Meine wichtigste Errungenschaft ist jedoch: Ich habe meine Tochter zu einem eigenständigen Erwachsenen erzogen, der nicht mehr auf die Hilfe des Staates angewiesen ist.

Kinder von Hartz-IV-Empfängern droht oft ebenfalls Hartz IV

Armut vererbt sich oft, gerade für Kinder von Hartz-IV-Empfängern besteht ein erhöhtes Risiko, später selbst betroffen zu sein.

Rund 21 Prozent aller Kinder in Deutschland leben dauerhaft oder wiederkehrend in einer Armutslage. Weitere 10 Prozent befinden sich zumindest vorübergehend in einer finanziell prekären Lebenslage. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung hervor.

Manche Familien sind schon seit drei Generationen arbeitslos, die Kinder kennen dann oft keinen geregelten Alltag. Manchmal sind sie die Einzigen, die aufgrund der Schule einem geregelten Tagesablauf folgen

Das erlebe ich auch in meinem Alltag: Eine Bekannte zum Beispiel lebt seit 15 Jahren von Sozialhilfe bzw. Hartz IV – so wie ihre mittlerweile 22-jährige Tochter auch.

Ich will sie nicht verurteilen, zumal ich selbst Unterstützung vom Staat erhalte.

Aber für die Tochter scheint es normal zu sein, von Hartz IV zu leben, unter anderem, weil sie es von ihrer Mutter so vorgelebt bekommen hat.

Die Gründe für so einen Werdegang mögen vielschichtig sein – von mangelnder Bildung bis hin zur Perspektivlosigkeit – aber genau so eine Entwicklung meiner Tochter wollte ich um jeden Preis vermeiden.

Wir wollten unsere Unterschichtsrolle nicht akzeptieren

Obwohl wir selbst zumindest teilweise in prekären Verhältnissen gelebt haben, war es meinem verstorbenen Mann und mir wichtig, unserer Tochter zu vermitteln, dass es mehr gibt als Sozialhilfe. Dass sie mit Fleiß und Disziplin mehr erreichen und sich Wohlstand erarbeiten kann.

Nur, weil wir weniger Geld hatten, wollten wir unsere Unterschichtsrolle nicht akzeptieren und unserem Kind zeigen, dass es nicht in Ordnung sei, seine Ziele niedrig zu setzen.

Bei uns zu Hause hat Bildung immer ein große Rolle gespielt – vielleicht liegt das daran, dass mein Mann und ich es aus unseren jeweiligen Elternhäusern in Polen nicht anders kannten. Meine Mutter war Lehrerin, auch ich habe in Polen Grundschulpädagogik studiert, und obwohl ich diesen Beruf hier in Deutschland niemals ausgeübt habe, war es mir wichtig, dass meine Tochter gut ist in der Schule.

Im Alter von fünf Jahren hat sich meine Tochter selbst Lesen und Schreiben beigebracht. Ich freute mich über ihren Wissensdrang und unterstützte sie dabei, wo ich nur konnte.

Selbst wenn unsere finanziellen Mittel knapp waren: Mein Mann und ich haben beschlossen, dass es immer Geld für Bücher geben …read more

Source:: The Huffington Post – Germany

      

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