
Einmal ist nicht genug: Der rumänische Regisseur Christian Mungiu erhielt zum zweiten Mal die Goldene Palme in Cannes. Sein packendes Sozialdrama „Fjord“ konnte sich gegen die 21 anderen Filme – darunter Marie Kreutzers „Gentle Monster“ – im Hauptwettbewerb von Cannes durchsetzen.
Bereits 2007 hatte Mungius Film „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ die Goldene Palme erhalten.
„Fjord“ besticht vor allem durch seine herausragende Besetzung: Der norwegische Schauspielstar Renate Reinsve und „Marvel“-Held Sebastian Stan spielen ein tiefreligiöses Ehepaar mit fünf Kindern, das Rumänien verlässt und sich in einer norwegischen Kleinstadt niederlässt. Zuerst heißen die Bewohner die Neuankömmlinge herzlich willkommen; doch als eines der Kinder Verletzungen aufzeigt und die Eltern unter Verdacht geraten, wendet sich das Blatt. Die Fürsorge greift ein und nimmt die Kinder weg. An dieser Stelle eröffnet Mungiu einen ideologisches Kampfschauplatz, auf dem vermeintlich progressive westliche Wertvorstellungen auf konservatives Hinterland treffen. Die Vertreter der norwegischen Institutionen erweisen sich als überheblich und herzlos, während die Unterstützer der Familie rechtskonservative Parolen brüllen.
Preise im Doppelpack
Was weitere Auszeichnungen betrifft, tat sich die Jury, zu der auch die Schauspielerin Demi Moore und US-Regisseurin Chloe Zhao zählten, mit ihren Entscheidungen schwer, denn es ging mit geteilten Preisen weiter.
Den Preis für die beste Regie mussten sich gleich drei Regisseure teilen: Das spanische Regie-Duett Javier Calvo und Javier Ambrossi für ihr episches (Historien-)Drama über das Schicksal dreier schwuler Männer in „La Bola Negra“ belohnt; ebenso der polnische Oscarpreisträger Pawel Pawlikowski für sein in herrlichem Schwarz-Weiß gedrehtes „Vaterland“ mit Sandra Hüller, die als Erika Mann mit ihrem Vater Thomas Mann durch das Nachkriegsdeutschland reist.
Auch was die Darstellerauszeichnungen anbelangt, kam kein Preis allein, sondern belohnte jeweils das Zusammenspiel zweier kongenialer Partner und Partnerinnen: Die beiden Newcomer Emmanuel Macchia und Valentin Campagne wurden für ihr inniges Spiel in dem queeren Kriegsfilm des belgischen Regisseurs Lukas Dhont belohnt: „Coward“ erzählt von einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte zwischen zwei Soldaten in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges. .
Wer noch geehrt wurde
Ganz in der Gegenwart ist das ebenfalls glänzende Drama des Japaners Ryūsuke Hamaguchi angesiedelt: In „All of a Sudden“ erzählt er von einer Heimleiterin für an Demenz erkrankte Patienten. Die Begegnung mit einer japanischen Theaterregisseurin vertieft ihr Verständnis von menschlicher Würde. Virginie Efira und Tao Okamoto spielen die beiden Frauen, die über 196 Minuten in faszinierenden Gesprächen zueinanderfinden; dafür erhielten sie die Auszeichnung als beste Darstellerinnen.
Marie Kreutzers aufwühlendes Drama „Gentle Monster“, in dem sich Léa Seydoux als erfolgreiche Pianistin und Sängerin mit der Tatsache konfrontieren muss, dass ihr Mann (gespielt vom zukünftigen „Tatort“-Kommissar Laurence Rupp) wegen des Besitzes von kinderpornografischen Darstellungen angeklagt wird, ging zwar leer aus.
Österreichische Präsenz
Trotzdem zeigt sich das heimische Filmschaffen von höchst erfolgreicher Seite. Nach dem Rekordjahr auf der Berlinale wurde auch Cannes zum Schauplatz starker österreichischer Filmpräsenz. Sandra Wollners flirrendes Drama „Everytime“ mit Birgit Minichmayr als trauernde Mutter in der Hauptrolle, zählte mit zu den besten Filmen, die im Rahmen des Festivals gezeigt wurden. „Everytime“ erhielt den höchsten Preis der Sektion „Un Certain Regard“.
Ganz gegen Ende des Wettbewerbs, aber keineswegs ein Schlusslicht, kam noch die …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



