András Schiff: Hommage an den Tastenrevolutionär Mozart

Kultur

Seit Jahrzehnten gastiert der gebürtige Ungar und von der Queen zum Sir geadelte Wahlbrite András Schiff bei den Salzburger Festspielen. Dass der virtuose Pianist sein genaues Programm erst während des Konzerts bekannt gibt, ist für sein Stammpublikum nichts Neues. So hielt er es auch bei seinem Johann Sebastian Bach und Mozart gewidmeten Rezital am Donnerstagabend im Mozarteum, das er mit einer Bach-Mozart-Kombination anhob. 

Schiffs Ausgangspunkt, die Verbindungen zwischen dem Salzburger Tastenrevolutionär und dem Meister der Polyphonie aus Leipzig zu ergründen, geriet zur Hommage an den Genius loci und den unvergleichlichen Klang seines Bösendorfer-Mahagoni-Klaviers, das er sich nach seinen Vorstellungen anfertigen ließ. Zwischen den Stücken griff er immer wieder zum Mikrophon und erklärte mit einer gewissen Dosis trockenem Humor, warum er was aufführt. Amüsiert nahm das Publikum seine Spitzen gegen Inszenierungen zur Kenntnis, oder dass Mozart ohne seine Reisen nach Italien ein anderer geworden wäre. Dass Bach diese Erfahrung nicht machen konnte, kommentierte Schiff mit den Worten: „Schade, da hat er etwas versäumt“.

Man hört diesem Musiker gern zu. Das wirklich Aufregende aber ist sein Spiel. Bei Mozarts Fantasie in c-Moll, KV 574, die den Abend einrahmte, öffnete sich das Tor in einen anderen Kosmos. Das war Musizieren mit absolutem Tiefgang. Beklemmung ließ Schiff beim Adagio in h-Moll, KV 540 spüren. Da manifestierte sich die Todesangst ihres Schöpfers. Mit Transparenz brachte er Mozarts Sonate in F-Dur, KV 533, zum Schweben. Seine Bach-Interpretationen hatten etwas Meditatives. 

Fast drei Stunden währte der Abend, der etwas von einem Marathon hatte. In die Zugaben, Werke von Mozart, mischte er einen Walzer von Chopin, der wirkte wie ein mit kräftig leuchtender Ölfarbe aufgetragener Tupfer. Ovationen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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