
Karoline Leavitt, jüngste Pressesprecherin in der Geschichte des Weißen Hauses, geht Ende August. Weil sie nach der Geburt ihres zweiten Kindes (neben Niko gibt es seit 1. Mai Viviana) mehr Zeit für ihre Familie haben will. Sagt sie.
Donald Trump lobte sie überschwänglich als „eine der Besten“. Er kündigte an, sie werde ihm und der republikanischen Partei als „wichtige externe Beraterin“ erhalten bleiben. Leavitt selbst nannte ihre 19 Monate am berühmtesten Sprecherpult der Welt „die Ehre und das Abenteuer meines Lebens“. Klingt nicht nach Zerwürfnis.
Spekulationen um Abgang
Aber: Weniger als 100 Tage vor den Midterms, die für ihren Noch-Boss berufslebensverändernd ausfallen können, verlässt die sichtbarste und loyalste Trump-Verteidigerin abrupt den Maschinenraum der Macht. Wirklich alles in Butter?
In Washington und vor allem in sozialen Medien kursiert die Vermutung, dass sich mehr dahinter verbergen könnte: Burnout, interne Spannungen, vielleicht auch das Gefühl, dass Loyalität im Trump-Kosmos eine sehr enge Einbahnstraße sein kann.
Befeuert wird die Spekulation durch das ominöse Flug-Täuschungsmanöver nach dem Nato-Gipfel in Ankara am 8. Juli. Wegen einer iranischen Morddrohung, die aus israelischen Quellen kam und später von US-Geheimdiensten verworfen wurde, bugsierte man Trump heimlich im Stil von „Ocean’s Eleven“ in einem Catering-Container aus seiner alten Air Force One in ein daneben geparktes militärisches Flugzeug.
Ein Teil seines Spitzenpersonals (Außenminister Rubio, Finanzminister Bessent) und Dutzende Top-Reporter blieben dagegen im offiziellen Präsidentenjet zurück, nach allem, was bisher bekannt ist, auch Leavitt. Andere besonders eng an „POTUS“ gebundene Mitarbeiter, darunter Natalie Harp, seine stets mit einem mobilen Drucker hantierende blonde Vertraute und Stimmungsaufhellerin, reisten hingegen auf der sicheren Seite: mit Trump.
Auf X und anderen Plattformen wird daraus eine persönliche Kränkung Leavitts konstruiert: Trump habe Mitarbeiter als Köder zurückgelassen und sich selbst in Sicherheit gebracht. Belastbare Bestätigungen dafür gibt es nicht.
Handfester ist die Frage, wer ihr folgt.
Wer Leavitt nachfolgen könnte
Genannt wird Alina Habba, Trumps langjährige Privatanwältin, sowie CNN-Kommentator Scott Jennings, ein kompromissloser Fernsehverteidiger des Präsidenten. Aus dem Apparat böte sich Anna Kelly an, bisher Nummer zwei hinter Leavitt.
Ebenfalls im Gespräch: Matthew Boyle vom rechtslastigen Portal „Breitbart“ sowie Katie Miller, deren Ehemann Stephen Miller als einer der wichtigsten Einwanderungspolitiker Trumps gilt. Auch der Name von Kommunikationsdirektor Steven Cheung fällt, einem der aggressivsten und treuesten Wortkämpfer des Präsidenten.
Am liebsten ist Trump sein eigener Sprecher
Eine Entscheidung ist bisher nicht bekannt. Womöglich sucht Trump gar nicht mit Eile. Schon während Leavitts Mutterschaftsurlaub verzichtete das Weiße Haus auf einen klassischen Ersatz; einige Minister und Vizepräsident JD Vance improvisierten bei Bedarf.
Das passt: Trump ist am liebsten in einer Person Sprecher, Kommentator und Chefredakteur seiner Regierung. Wer Leavitt ersetzt, bekommt deshalb zwar eines der prominentesten Mikrofone Washingtons, aber einen Chef, der am liebsten selbst davorsteht.
Source:: Kurier.at – Politik



