Kunstgenuss mit doppeltem Lottchen: Ein Ausstellungsrundgang in Salzburg

Kultur

Der russische Präsident Wladimir Putin besitzt an jedem seiner Wohnsitze ein nahezu identisches Büro, um zu verschleiern, wo er sich gerade befindet. Das berichtete die New York Times, nachdem vergangene Woche der Flugzeug-Tausch von US-Präsident Donald Trump publik geworden war. Bei Putin sei oft nur an der Position von Lichtschaltern oder an Zimmerpflanzen erkennbar, dass er sich an unterschiedlichen Orten aufhalte, erklärten von der Zeitung befragte Insider.

Dem britischen Künstler Ryan Gander dürfte das gefallen: Im Salzburger Kunstverein hat er eine ganze Ausstellung auf Basis der in der Quantentheorie begründeten Idee gebaut, dass ein Objekt in mehreren Zuständen zugleich existieren kann.

„One Hundred Things Twice“ (bis 20. 9.) zeigt, was der Titel verspricht – hundert Dinge in zweifacher Ausführung. Wobei man die Kunst auf den ersten Blick vielleicht nicht erkennt: Auffallend sind zunächst Alltagsdinge (zwei Koffer, Snack-Boxen, Schuhe) und Plakate, die auf vergangene Ausstellungen verweisen und die Konzeptkunst-Frage stellen, ob Kunst sich materiell manifestieren muss oder auch als Idee ausreichend „vorhanden“ ist.

Ganders Versteckspiel – mit einer als Rolodex-Kartenhalter getarnten Werkliste und einer Memory-artigen Abfolge von Bildpaaren – fördert dann aber überraschend viel „Kunst“ in Form von Malerei, Zeichnung, Fotografie und Skulptur zutage: Die Turnschuhe entpuppen sich etwa als Bronzegüsse. Aus den Snack-Kartons lugen allerdings noch zwei Robotermäuse hervor, von denen eine in akademischem Kuratoren-Slang doziert und die andere mit Kinderstimme nörgelt („Du weißt wirklich, wie man magische Dinge ruiniert!“).

Spiegelkabinett

Ganders Schau ist aber nicht die einzige, die in Salzburg Magie und Witz aus der Vervielfachung erzeugt.

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Der Deutsche Philipp Fürhofer, der als Bühnenbildner u. a. bereits bei den Osterfestspielen arbeitete, sich selbst aber als Maler definiert, legt in der Galerie Nikolaus Ruzicska gekonnt Wege dar, mehrere Bilder und Bildräume innerhalb eines Objekts zu verdichten.

Er nutzt dazu Leuchtkästen, deren halbverspiegelte Fronten er beidseitig bemalt, um dann Silhouetten aus den Farbschichten zu kratzen. Die resultierenden Objekte geben – je nachdem, ob von innen beleuchtet oder nicht – verschiedene Bildmotive frei, Spiegel erzeugen zusätzlich einen illusorischen Raum. All das könnte eine kitschige Wundertüte sein, doch Fürhofer umschifft die Gefahr, indem er das Handwerkliche offen legt und so Staunen mit Selbstreflexion kurzschließt.

Leuchtende Bilder

Auch in der Galerie Thaddaeus Ropac leuchtet es hinter den Bildern. Der Maler Sean Scully vertraut für den Effekt aber auf die bloße Kraft der Farbe, die er selektiert, schichtet und in für ihn typischen Block-Mustern gruppiert. Das mag repetitiv erscheinen, besticht aber durch die Meisterschaft im Detail.

Der zweite von Ropac vertretene Künstler, der die reine Malerei derart feierte, war der im April verstorbene Georg Baselitz. Zur Präsentation der Spätwerke im Museum der Moderne am Mönchsberg (bis 18. 10.) gesellt sich nun (bis 4. 10.) eine sehenswerte Schau im Rupertinum, die den Maler Anfang der 1960er vorstellt – als Verfasser rebellischer Manifeste („Pandämonium I & II“) und wilden Zeichner, aber auch als egobewussten Dandy.

Von hier ist es ästhetisch und räumlich weit zum Maler Philipp Emde, den die „Elektrohalle Rhomberg“ an der Salzburger Peripherie vorstellt. Die Galerie lässt sich gut im Doppelpack mit der Ropac-Dependance „Halle“ besuchen, wo der Schweizer Not Vital zu sehen …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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