
Es war die radikalste Neuinterpretation an einem einmaligen, in dieser Form unwiederholbaren Abend: Schmankerl aus „Winterreise“ mit Oliver Welter, Sänger der Band Naked Lunch, und der Pianistin Clara Frühstück. Da wird Franz Schubert zum Zeitgenossen, wenn das Duo zeigt, wie eng doch das romantische Lied und der moderne Popsong verflochten sind.
Für Andreas Schett, Mastermind der Musicbanda Franui ist der Liederkomponist ein „Säulenheiliger“ und dessen Musik „anbetungswürdig, zum Niederknien schön“.
Crossover-Projekt
„Die große Schubertsache“ Freitag im Wiener Konzerthaus folgte dem Konzept, Originalwerke von innen heraus weiterzudenken, inklusive Nebenwegen, Zwischenräumen und überraschenden Klangfarben.
Kunstvoll bewegt sich Franui auf dem schmalen Grat zwischen Respekt vor dem Original und bewusster künstlerischer Aneignung.
So deutet Florian Boesch den Zyklus „Die schöne Müllerin“ als seelischen Entwicklungsprozess, während Bläser, Streicher, Hackbrett, Harfe und Akkordeon die Klangwelt erweitern.
Bei der jungen Anja Mittermüller imponieren der warme, leuchtende, klare und bewegliche Mezzosopran ebenso wie die emotionale Tiefe ihrer fein nuancierten Präsentation. Still, innig und tröstlich ihre „Litanei auf das Fest Allerseelen“, einer Bitte um Frieden für die Verstorbenen.
„Schubert-Lieder sind meine Muttersprache“, sagt Julian Prégardien. Sie können für den Tenor das Innenleben anderer Menschen erfahrbar machen. Die Super-Power Empathie ist für ihn bei „Der blinde Knabe“ und „Nähe des Geliebten“ alles.
Trübsinn und Frohsinn
Kunstlieder, die jeder kennt, aber so noch nicht gehört hat, sind auch die Spezialität von The Erlkings. „Fischerweise“ oder „An den Mond“ werden klanglich neu eingekleidet und zu zeitgenössischen Songs. Der „Erlkönig“ auf Englisch sogar mit Happy End: Das Kind ist nicht „dead“, sondern „goes to bed“.
Karl Markovics erzählt von einem Menschen, der keine Zugehörigkeit findet: In „Abendstern“ bleibt seine Liebe ohne Antwort; und in „Das Wirtshaus“ (aus „Winterreise“) wird ihm sogar die ersehnte letzte Ruhe verweigert.
Etwas „sehr Volksmusikalisches“ – zwischen Joseph Lanners „Oh das is guat“ und dem Wienerlied – hat Schubert für Die Strottern. Sie setzen sich u. a. in „Der Tod und das Mädchen“ mit der Vergänglichkeit auseinander. „Zum Rundetanz“ final zeigt Schuberts gesellige, lebensfrohe Seite mit der Vorstellung: „Also schweben wir durchs Leben, leicht wie Rosenblätter hin.“
Source:: Kurier.at – Kultur



