Karl-Lueger-Statue: Aus dem Lot, aber sauber einzementiert

Kultur

Die Zeit ist aus den Fugen (wie schon Hamlet wusste) und alles aus dem Lot. Einer aber steht. Und Karl Lueger (1844 – 1910), der einst glorifizierte Bürgermeister, steht, von der Stadt wunderschön herausgeputzt, jetzt noch viel besser. Denn er wurde frisch einzementiert. Den stößt niemand vom Marmorsockel.

Da die Umsetzung des sündteuren Projekts „Schieflage (Karl Lueger 3,5°)“ von Klemens Wihlidal abgeschlossen ist, lud man für Donnerstag zu einer Pressekonferenz mit anschließender Besichtigung. Auf eine offizielle Übergabe des generalsanierten Denkmals, das nun ein Mahnmal sei, war verzichtet worden. Weil man ahnte, dass es zu Protesten kommen könnte?

In der Tat hatten die Jüdischen österreichischen Hochschüler:innen (JöH) über Social Media angekündigt, die „feige Denkmalpolitik“ auspfeifen zu wollen: Obwohl die Kultusgemeinde und Überlebende der Shoah seit Jahren den Abriss gefordert haben, so der im Original orthografisch fehlerhafte Text, wurde die Statue des Antisemiten und Hitler-Idols um 776.000 Euro instand gesetzt und, um 3,5 Grad geneigt, wieder aufgestellt. Diese Kontextualisierung sage nichts über das Problem aus – und dieses heiße Antisemitismus.

Der Pressekonferenz – auf sicherem Terrain in der Akademie der Wissenschaften – wohnte daher eine gewisse Grundnervosität inne. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) bemühte sich redlich, die Schieflage zu verteidigen. „Ich bin stolz, dass wir ein visionäres Projekt umgesetzt haben.“ Denn 2010 gab es an der Angewandten, einen Steinwurf vom Denkmal entfernt, einen Wettbewerb zur Umgestaltung. Und diesen konnte der Student Wihlidal für sich entscheiden.

Die strikt ablehnende Haltung der Stadt und das Beharren auf der Benennung „Dr.-Karl-Lueger-Platz“ führte sie nicht weiter aus: Nahtlos schloss sie an das Jahr 2022 an, als sie nach Spray-Attacken den Wettbewerb für die Kontextualisierung über die stadteigene Institution KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) ausloben ließ. Erneut wetterte sie gegen jeden Denkmalsturz, denn über Leerstellen ließe sich nicht sprechen.

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Die Neigung der Bronzestatue und des Marmorsockels würden ohnedies für ein ungutes Gefühl sorgen, so die Meinung des Podiums (mit KÖR-Chefin Cornelia Offergeld und Jury-Vorsitzender Eva Maria Stadler). Wihlidal sprach von einem „Denkmalsturz im Freeze-Mode“ und übertrug dem geneigten Lueger sogar eine aktive Rolle: Er verweise nun auf sich selbst – als Opportunist, Populist, Antisemit und Rassist.

Das Problem ist nur: Ablesbar ist das weder an der Statue, noch an der Neigung. Man muss schon wissen, wer Lueger war, um zu kapieren, was der schiefe Denkmalturm zu Wien soll. Zumal die Intervention nicht von jeder Position aus erkennbar ist. Am Bauzaun, der nun demontiert wird, sind rechter Hand der Statue Erklärungen zur „Schieflage“ affichiert. Und genau dort kann man diese gar nicht sehen …

Also braucht es Vermittlung. Und einen Erklärtext. Im ursprünglichen hatte es der Historiker Oliver Rathkolb nicht für notwendig empfunden, auf den Bildhauer einzugehen. Aber jetzt erfährt man wenigstens, dass Josef Müllner ein Nazi war. Der Text ist insgesamt kritischer (wenngleich die Politik die schärfsten Formulierungen unterbunden haben soll).

„Feige“ – „Lösung“

An der „Begehung“ – Einlass fand nur, wer einen orangen Punkt am Revers hatte – nahm Kaup-Hasler nicht teil. So lange hat es gebraucht für die Realisierung, aber just am Donnerstag hatte sie gleich nach der Pressekonferenz einen Termin. Sie hörte daher nicht …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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