
Vor dem Anpfiff am Donnerstag in Mexiko City bereitete sich das Land unter viel Aufregung auf seine Veranstalterrolle bei dieser WM vor. Gespielt wird in Mexiko City, Guadalajara und Monterrey.
Mexiko ist ein gastfreundliches Land. Es ist aber auch Herkunftsland, Transitland und manchmal auch Zielland von Migranten. Und es ist ein Land, dessen Vergangenheit und Gegenwart geprägt sind von der organisierten Kriminalität – insbesondere, was Drogen betrifft.
Fans vor Ort erwartet eine fußballverrückte Bevölkerung, eine bunte lokale Kultur, aber ein Stadtbild, das von Gewalt, Militär und Waffen geprägt ist.
100.000 Sicherheitskräfte sollen für Ruhe sorgen, nachdem die Gewalt im Februar noch einmal eskaliert ist. Damals war der lang gesuchte mächtige Drogenkartell-Boss „El Mencho“ verhaftet und dabei getötet worden, es war zu Unruhen in mehreren Bundesstaaten gekommen.
„Hassliebe“ mit den USA
Doch nicht nur Drogen und die damit zusammenhängende Gewalt ist ein Themenfeld, das die Menschen in Mexiko beschäftigt. Mit Trump im Weißen Haus hat sich auch das Leben für so manchen in Mexiko verändert. „Der amerikanische Traum ist für viele schwieriger geworden“, sagt Carlos Martínez Montoya, Koordinator für Rechtsschutz bei der Organisation CEREAL (Centro de Reflexión y Acción Laboral) in Guadalajara. Der Menschenrechtsanwalt war auf Einladung der Initiative „Game on“ von fairplay in Wien, um über die Situation in Mexiko zu sprechen.
Mit Co-Gastgeber USA habe Mexiko ein ambivalentes Verhältnis. Wirtschaftlich ist man eng verbunden, aber auch familiär, sagt Montoya: „Es gibt fast niemanden in Mexiko, der nicht Familie in den USA hat.“ Aber politisch ist das Verhältnis oft konfliktreich. „Wir haben eine Hassliebe mit Amerika.“
Der Menschenrechtsaktivist sieht die WM 2026 nicht als Lösung für Mexikos Probleme, sondern als Vergrößerungsglas. Sie macht bestehende Missstände sichtbarer: Arbeitsausbeutung, Wohnungsnot, Korruption, Menschenhandel, Kartellgewalt, institutionelle Schwächen. Die WM und deren Infrastruktur komme nicht der Bevölkerung zugute, sondern sorge für steigende Preise und Mieten und die Verdrängung der lokalen Bevölkerung.
Keine Lösung
Die FIFA sei nicht an einer Lösung dieser Probleme interessiert, glaubt Montoya. „Die WM ist vor allem ein wirtschaftliches Projekt.“ Die größten Profiteure seien große Unternehmen, Baukonzerne und internationale Marken – und die organisierte Kriminalität. Probleme werden während der WM mehr: Drogenhandel, Arbeitsausbeutung und sexuelle Ausbeutung, die zu einem großen Teil von der organisierten Kriminalität gesteuert wird. „Die Nachfrage nach Prostitution steigt und damit auch die Gefahr von Ausbeutung.“
Montoya rät zudem zu einer gewissen Vorsicht mit den lokalen Polizisten. „Es ist traurig, dass man den Menschen, die einen schützen sollten, nicht vollständig vertrauen kann.“ Fazit: „Genießt die Spiele, aber bleibt aufmerksam für das, was um euch herum passiert.“
Source:: Kurier.at – Sport



