
Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht ihren Leitzins wegen der stark gestiegenen Inflation erstmals seit fast drei Jahren. Sie setzte den Einlagensatz am Donnerstag von 2,0 auf 2,25 Prozent herauf. Über ihn steuert der EZB-Rat maßgeblich seine Geldpolitik, auch die Tages- und Festgeldzinsen für Sparer orientieren sich daran.
Befeuert von den infolge des Iran-Krieges erhöhten Energiekosten war die Teuerungsrate im Euroraum zuletzt mit 3,2 Prozent deutlich über das Ziel der EZB von 2,0 Prozent hinausgeschossen. Zuletzt hatte die Notenbank die Zinsen im September 2023 angehoben.
Weitere Erhöhung wird für September erwartet
Experten hatten mit der geldpolitischen Straffung gerechnet. „Da die Inflation im Euroraum drei Prozent überschritten hat und wenig Aussicht auf Entspannung im Iran-Konflikt besteht, ist eine Zinserhöhung jetzt der richtige Schritt“, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen rechnen für September mit einer weiteren Zinsanhebung.
Iran-Krieg befeuert Inflation
Nach Beginn der Angriffe der USA und von Israel auf den Iran am 28. Februar sind die Energiepreise stark gestiegen. Die Zentralbank will verhindern, dass es wieder zu einem Inflationsschub kommt wie 2022, als Russlands Invasion in der Ukraine die Teuerungsrate auf zeitweilig über zehn Prozent steigen ließ. Die EZB stand damals in der Kritik – auch weil sie die Teuerungswelle zu lange unterschätzt hatte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde und andere Vertreter der Zentralbank hatten in jüngster Zeit klargemacht, dass die Zentralbank diesmal wachsamer sein werde. Dabei geht es auch um ihre Glaubwürdigkeit und ihr Mandat, für stabile Preise zu sorgen.
Die Inflationserwartungen der Verbraucher in den Euro-Ländern sind wegen der gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs weiter hoch. In den kommenden drei Jahren erwarten sie eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,9 Prozent.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



