
Die Gläubiger der Magazin 07 Möbel und Einrichtungen Vertriebsgesellschaft m.b.H, die unter dem Namen Interio auftritt, haben am 11. Juni am Landesgericht Wiener Neustadt dem vorgelegten Sanierungsplan zugestimmt. Die erforderliche Kapital- und Kopfmehrheit wurde erreicht, wie der AKV, Creditreform und KSV1870 mitteilten. Die Alternative wäre deutlich schlechter ausgefallen: Bei einer Zerschlagung hätten die Gläubiger laut Insolvenzverwalterin nur 3 bis 4 Prozent ihrer Forderungen erhalten.
20 Prozent Quote über zwei Jahre
Der nun angenommene Sanierungsplan sieht eine Quote von 20 Prozent vor, zahlbar binnen zwei Jahren. Eine erste Barquote von 5 Prozent muss binnen 14 Tagen nach rechtskräftiger Bestätigung des Plans fließen. Weitere 5 Prozent folgen jeweils nach 8, 16 und 24 Monaten. Allerdings steht die gerichtliche Bestätigung noch aus: Voraussetzung dafür ist, dass die Barquote und die Verfahrenskosten bis 31. Juli hinterlegt werden.
Das Sanierungsplanerfordernis liegt bei rund 7,6 Millionen Euro. Von 170 Anmeldungen mit Gesamtverbindlichkeiten von 6,2 Millionen Euro wurden Forderungen in Höhe von rund 5,2 Millionen Euro anerkannt, 0,9 Millionen Euro wurden bestritten. Hinzu kommen nicht angemeldete Verbindlichkeiten von rund 1 Million Euro sowie weitere Forderungen der öffentlichen Hand.
Standorte werden geschlossen, Umsätze enttäuschen
Im Zuge der Restrukturierung werden Anfang Juli mehrere Standorte geschlossen, darunter Wien und Linz. Das Zentrallager in Traiskirchen wurde ausgegliedert. Besonders problematisch ist die Filiale Graz: Laufende Rechtsstreitigkeiten mit der Vermieterin, ein anhängiges Räumungsverfahren, fehlende Warenbestückung und hohe Mietkosten machen den Standort deutlich defizitär, so der AKV.
Die Insolvenzverwalterin äußerte sich skeptisch über die Erfolgsaussichten. Die tatsächlichen Umsätze lägen deutlich unter den Planwerten, die Erreichbarkeit der geplanten Erträge für 2026 und die Folgejahre sei unsicher. Die Sanierungsplanquote könne nicht allein aus dem Fortbetrieb erwirtschaftet werden, zusätzliche Mittel von Gesellschaftern oder Dritten seien notwendig.
Paradox: Neue Ware für den Abverkauf nötig
Erschwerend kommt hinzu: Für einen profitablen Abverkauf des hohen Lagerbestands sind laut Insolvenzverwalterin zusätzliche neue Wareneinkäufe erforderlich. Deren Finanzierung müsse durch Dritte sichergestellt werden. Auch eine Einigung mit der Vermieterin in Graz wäre für die Sanierung förderlich.
Die Insolvenzschuldnerin selbst zeigt sich optimistischer. Die Erfüllung des Sanierungsplans sei nicht aussichtslos, sondern möglich. Die Kostenseite, insbesondere Mietzinse, solle weiter reduziert werden. Zudem seien Gespräche mit Investoren zu weiteren Finanzierungen aussichtsreich.
Mit Rechtskraft des Bestätigungsbeschlusses wäre das Insolvenzverfahren aufgehoben. Ob die Sanierung tatsächlich gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – spätestens wenn die erste Zahlung fällig wird.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



