Künstlerin Barbara Ungepflegt: „Eine Weltbürgerin zu sein, das wäre doch was“

Kultur

Wenn Barbara Ungepflegt den Lodenjanker und die rot-weiß-rote Schärpe anlegt, sind die Reaktionen mannigfaltig. Bei einer FPÖ-Veranstaltung sei sie einmal nach Autogrammen gefragt worden, erzählt sie. Andere hätten sie auf derselben Veranstaltung beschimpft.

Die Wiener Performancekünstlerin schlüpft dann nämlich in ihre Rolle der fiktiven „Ministerin für Heimatschmutz und internationale Affären“. „Das ‚M‘ wird oft überlesen“, sagt sie.

Für die Freiheit

2017 hat sie die Kunstfigur erschaffen, um der ÖVP-FPÖ-Regierung unter Kurz und Strache und der „rechtsnationalen Politik“ etwas entgegenzusetzen. „Die Sorge war damals groß, dass die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft eingeschränkt wird.“

2019 eröffnete sie in einer Litfaßsäule am Keplerplatz im 10. Bezirk ihr Ministerium für Heimatschmutz und internationale Affären und gab 80 Tage lang Audienzen.

Ihr Kunstprojekt lässt erahnen, dass Barbara Ungepflegt – eigentlich Barbara Kremser – den Heimatbegriff ambivalent sieht. Zum einen definiere Heimat, wo man Zuhause ist, und das kann überall auf der Welt sein. Eine „Weltbürgerin“ zu sein, das sei für sie die weitaus bessere Definition von Heimat. Zum anderen beobachte sie, dass der Begriff von Menschen benutzt werde, „um eine völkische Masse abzubilden und jene, die dem nicht entsprechen, auszuschließen“. Es gehe ihr nicht darum, Schnitzel und Dirndl anzuprangern. Sondern um die politische Vereinnahmung.

Und was ist für sie persönlich Heimat? „Das Palais Après in der Jägerstraße“, sagt Barbara Ungepflegt. Der Kunstraum (Wien 20, Jägerstraße 62-64) ist auch der Ort, an den sie am Nationalfeiertag wieder als Heimatschmutzministerin zurückkehrt – zur Audienz und zur Leistungsschau.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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