
Eine zentrale niederösterreichische Kulturinstitution hat einen neuen künstlerischen Leiter: Johannes Neubert hat in Grafenegg Festivalgründer und Galionsfigur Rudolf Buchbinder abgelöst. Letzterer bleibt Präsident.
Neubert ist ehemaliger Geschäftsführer der Grafenegg Kulturbetriebsgesellschaft und der Tonkünstler NÖ, danach bei den Wiener Symphonikern und zuletzt beim Orchestre National de France/Radio France. Er will, wie er bei seiner ersten Programmpräsentation sagte, Kontinuität bewahren und eine neue Handschrift in Grafenegg erkennen lassen. Ein Gespräch über klamme Budgets in der Klassik, Europa und Palmen in Grafenegg.
KURIER: Sie übernehmen Grafenegg von der Gründungsfigur Rudolf Buchbinder, der als Symbol auch bis heute für die kulturelle Aufbruchsstimmung stand, die in Niederösterreich vor 20, 30 Jahren herrschte. Ein schwieriger Akt für einen Nachfolger?
Johannes Neubert: Nein! Es soll einem Schlimmeres passieren, als dass man einen erfolgreichen und gut geführten Betrieb übernimmt. Und ich war ja Teil dieser Geschichte. Das ist für mich wie ein Staffellauf – ich übernehme an einem wichtigen Punkt. Es geht mir jetzt um Kontinuität und darum, auf die bisherigen Erfolge aufzubauen. Ich möchte eine Evolution, eine neue Handschrift entwickeln, aber ohne Bruch. Natürlich unter anderen Vorzeichen.
Die Vorzeichen sind weniger günstig als bisher: Abgesehen von den Budgetschwierigkeiten in Österreich geht es auch den Klassik-Klangkörpern finanziell vielerorts nicht super. Da ist Kontinuität für sich schon eine große Leistung.
Für 2027 ist es gelungen, diesen Übergang herzustellen, obwohl die Budgets natürlich nicht steigen, sondern stagnieren – und der Buchbinder-Saal dazugekommen ist. Ich glaube, dass genau das einer der Gründe ist, warum man an mich herangetreten ist: mit dem limitierten Budget möglichst sorgsam und effizient umzugehen. Das war meine berufliche Lebensrealität in den vergangenen 20 Jahren. Egal, wo ich tätig war, das war immer so.
Jetzt hört man aber doch – etwa aus den USA –, dass die Situation noch klammer geworden ist.
Ich weiß ganz genau, wie die Situation der Orchester ist. Die Cargo-Kosten, die Reise- und Hotelkosten gehen durch die Decke. Man reibt sich da ungläubig die Augen! Dass ein Orchester über die Honorarerlöse kostendeckend auf Tournee geht, das gibt es nicht mehr. Sie selbst, und auch die Veranstalter, bringen Mäzene und Sponsoren in ein ganzes Patchwork von Zusatzfinanzierungen ein. Sonst wäre das alles überhaupt nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Warum tut man es dann?
Weil es beiden Seiten wichtig ist! Und für das Publikum. Weil es auch die Mission von Grafenegg ist, die Besten der Besten in diesem Setting und in dieser Nachhaltigkeit zu präsentieren. Und für die Orchester-Identität und die Künstler ist es wichtig, diese Tourneeerfahrung und diese internationale Strahlkraft zu haben.
Manches Orchester mietet sich ja sogar in die heimischen Konzertsäle ein, um den ruhmreichen Tourneestopp Wien angeben zu können. Ist ein Grafenegg-Konzert inzwischen auch etwas, mit dem sich internationale Orchester daheim schmücken?
Das hat Grafenegg wirklich geschafft. Im Kontext der Festivals würde ich in dieser Hinsicht sagen: Top 10, Top 20. Und es ist eine schöne Mission und Herausforderung, genau da nicht nur weiterzumachen – sondern auch ein Zähnchen zuzulegen.
Und wie? Was ist die Handschrift, die wir von Ihnen erwarten können?
Zwei Dinge sind mir besonders wichtig. Grafenegg ist für mich eine Oase der Musik. Wir haben …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



