
Die Inflation im Euroraum ist zuletzt wieder gestiegen. Martin Kocher, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, betonte am Dienstagabend in der ZIB 2, dass er zwar einen Rückgang im kommenden Jahr erwarte, die Inflationsgefahr aber weiter hoch sei: „Wir müssen weiter damit rechnen, dass es Eskalationen gibt.“
Laut Kocher sei die Entwicklung schwer vorherzusagen, weil vor allem Energiepreise von außen wirken. „Wir können nur reagieren in gewisser Weise.“ Eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr hält er daher für wahrscheinlich, wenn sich die Lage nicht ändert.
Inflationsraten wie 2022 erachtet er derzeit nicht für realistisch. „Im Moment sehen wir die überhaupt nicht.“ Im schlimmsten im September gerechneten Szenario lag die Inflation im nächsten Jahr bei etwa 5 Prozent.
Kocher: Steuerlast in Österreich „zu hoch“
Die nächste Zinssitzung findet im Dezember statt. Sollte es notwendig sein, werde die EZB sich anstrengen, das Inflationsziel von 2 Prozent dennoch zu erreichen. Kocher betonte, dass sich bis dahin vieles ändern könne, etwa durch die Lage in den verschiedenen Konfliktherden der Welt, Stichwort Nahost-Krieg. Aber: „Wir werden trotzdem alles tun, um die Inflation im Griff zu behalten.“
Angesprochen auf das Thema Steuern hierzulande sagte der Gouverneur, darüber entscheide die Bundesregierung, nicht die Nationalbank. Wichtig seien stabile, gut kapitalisierte Banken. Aber: Die Steuerlast sei in Österreich „aus meiner Sicht zu hoch“, räumte Kocher ein.
Kocher forderte außerdem, die Budgetkonsolidierung fortzusetzen. Auch das Zukunftsdepot findet er „grundsätzlich richtig.“ Denn: „Es geht um Kapitalaufbau, und es hilft jungen Menschen, mit einem gewissen Kapitalstock in das Berufsleben zu starten.“
Ob die Ausgestaltung so sein müsse, wie sie ist, sei aber eine Entscheidung der Regierung.
EZB-Spitze vor der Neubesetzung
Den verfrühten Abgang von Christine Lagarde bezeichnete Kocher abschließend als persönliche Entscheidung der Präsidentin. „Die Staats- und Regierungschefs werden einen neuen Präsidenten der EZB bestimmen.“ Die EZB sei nach wie vor „voll handlungsfähig“. Auch zeigte sich Kocher zuversichtlich für die potenzielle Nachfolge Lagardes: „Es gibt zwei Kandidaten, die mit sehr viel Erfahrung in dieses Rennen gehen.“
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



