Doppelbeben in Texas: Wie sich die Demokraten die rote Bastion sicherten

Politik

Auf den Schildern steht das Gebot der Nächstenliebe. Vor James Talarico jubeln die Menschen bei seiner letzten Wahlkampfkundgebung vor den Midterms. „Wir werden die Nation überraschen“, verspricht er.

Einen Abend später hat der 37-Jährige geliefert – und wie: Texas, jahrzehntelang republikanisches Stammland, schickt einen Demokraten in den Senat nach Washington. Und wählt eine Demokratin zur Gouverneurin. Eine politische Doppelsensation.

Talarico besiegt Generalstaatsanwalt Ken Paxton deutlich. Bei einem Auszählungsgrad von 91 Prozent lag Talarico mit 55 Prozent der erfassten Stimmen vorn: fast 1 Million Stimmen Abstand. Der letzte demokratische Senatswahlsieger aus Texas war Lloyd Bentsen 1988. Seit 38 Jahren hat niemand mehr diese Mauer durchbrochen. Selbst Beto O’Rourke scheiterte 2018 trotz nationaler Begeisterung.

Für Bibel und Texas

Talarico fand einen eigenen Zugang zum konservativen Texas. Der frühere Lehrer und presbyterianische Theologiestudent überließ den Republikanern weder die Bibel noch den Begriff der Moral. Seinen Glauben übersetzte er in Forderungen nach bezahlbarer Gesundheitsversorgung, guten öffentlichen Schulen und Schutz für Benachteiligte. Christliche Nächstenliebe statt christlichem Nationalismus: Das gab seiner Kampagne ein Profil, das über gewöhnliche Parteiparolen hinausging.

Er war kein politisch unbeschriebenes Blatt. Seit 2019 sitzt er im texanischen Bundesstaatsparlament. Der jugendlich wirkende Kandidat verband einen ruhigen Dauerton mit scharfen Angriffen auf Korruption. Gegenüber stand ihm ein Mann, dessen juristische und persönliche Skandale selbst Republikaner an seiner Wählbarkeit zweifeln ließen. Die Wahl wurde zum Vergleich von Charakter und Glaubwürdigkeit.

Donald Trump hat diese Konstellation mit herbeigeführt. Er unterstützte Paxton vor der republikanischen Stichwahl gegen Amtsinhaber John Cornyn. Der erfahrene Senator, den die Parteiführung für den stärkeren Kandidaten hielt, verlor. Trump bekam seinen Loyalisten – und die Partei verlor den Sitz. Auch die massive republikanische Wahlkampfhilfe konnte Paxtons Schwächen nicht überdecken.

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Erste Latina an der Spitze

Fast noch größer ist das Beben im Gouverneurspalast: Gina Hinojosa schlägt Greg Abbott, verhindert dessen vierte Amtszeit und wird erste Latina an der Spitze von Texas. Zuletzt gewann mit Ann Richards 1990 eine Demokratin die Gouverneurswahl; seit 1995 regieren Republikaner.

Die 52-jährige Abgeordnete setzte auf Lebenshaltungskosten, öffentliche Schulen und den Widerstand gegen stromhungrige Rechenzentren. „Die Menschen sind es leid, die Kulturkämpfe auszutragen“, sagte sie der Texas Tribune. Sie griff Abbotts Nähe zu Konzernen und Milliardären an, statt sich von dessen Radikalismusvorwürfen den Wahlkampf diktieren zu lassen.

Zwei Jahre nach Trumps fast 14-Punkte-Sieg bricht so eine zentrale republikanische Gewissheit weg. Texas ist keine uneinnehmbare Festung. Diese Nacht hat dafür zwei Namen: Talarico und Hinojosa.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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