Fünf Lehren aus der Wahl – und eine Prognose

Politik

Die Demokraten haben es geschafft: Sie haben den Republikanern das Haus und den Senat abgejagt, sie haben Donald Trump eine historische Ohrfeige verpasst, mit der er nicht gerechnet hat. Selbst in den Umfragen waren die Gewinne nicht so hoch prognostiziert, wie sie nun ausgefallen sind. Wie konnte das passieren? Fünf Lehren und eine Prognose aus der Wahl. 

1.      Trump hat die Demokratie nicht kurz und klein gehackt. In seiner ersten Amtszeit war er noch zahm gewesen, seit 2024 packte Donald Trump die harten Bandagen aus: Er führte gegen den Iran einen Krieg, den er offiziell nie erklärte (das darf nur der Kongress, und der tat das nicht), er ließ Zölle einheben, die ihm sein eigener Supreme Court wieder abräumte, ignorierte Gerichtsurteile und desavouierte öffentlich Frauen, politische Gegner und Andersdenkende. 

Die Wähler haben ihm das aber nicht durchgehen lassen: In vielen Bundesstaaten gewannen genau jene Kandidaten, die Trumps Machtrausch zum Thema machten – und seine Selbstbereicherung. In Texas oder Kansas, wo seit Jahrzehnten kein Demokrat mehr reüssieren konnte, fuhren sie dadurch Erdrutschsiege ein. Ein klares Zeichen, dass die Wähler sich nicht gängeln lassen. 

2.      It’s the economy, stupid. Die Demokraten haben diese Wahl mit einem Claim gewonnen, der auch Bill Clinton einst zum Sieg verhalf: Es geht in den USA immer um die Wirtschaft. Und die funktioniert derzeit nicht so, wie Trump es versprochen hat, die Preise ziehen immer noch an, die Inflation ist anhaltend hoch, der Spritpreis sinkt nicht. 

Das nahmen Trump vor allem jene Wähler übel, die es ohnehin schon immer schwer hatten – und die ihn 2024 wegen seines Versprechens gewählt hatten, alles billiger zu machen: Die Farmer, die sich derzeit den Diesel nicht leisten können, um ihre Felder zu bestellen, die Menschen, die ihr Auto für ihre zwei Jobs brauchen.   

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3.      Die Demokraten können es noch. Lange Zeit haderte die Partei mit sich selbst und ihrem Kurs, wusste nach der Wahlschlappe 2024 nicht, wohin sie steuern sollte. Nun hat sich gezeigt: Die Wähler finden es offenbar in Ordnung, dass die Partei uneins ist, gewählt wurden sowohl moderate als auch linke Kandidaten, es brauchte keinen Partei-Mainstream.

Auffällig war dabei, dass viele Kandidaten sich auch ganz bewusst von der Parteispitze absetzen. Rob Sand, der neue Gouverneur von Iowa, lehnte offen Wahlkampfhilfe von Kamala Harris ab, ebenso der frisch gewählte Senator Adam Hamilton in Kansas und Neo-Gouverneurin Gina Hinojosa in Texas – sie kritisierten die Partei offen dafür, dass sie abgehoben ist. Das Eliten–Bashing hat Trump einst ins Amt befördert, jetzt nutzte es den Demokraten.

4.      Trumps Männlichkeits-Pose zieht nicht mehr. Die Männlichkeits- und Überlegenheitsrhetorik des Präsidenten scheint ihr Ablaufdatum erreicht zu haben: In vielen Rennen haben sich Kandidaten trotz oder gerade wegen massiver untergriffiger Anfeindungen von der Gegenseite durchgesetzt. James Talarico, dem neuen Senator aus Texas, unterstellten die Republikaner, er habe eine Geschlechtsumwandlung hinter sich, sei geradezu „weibisch“, doch das half ihm wohl nur: Sein Sieg ist historisch – und wird ihm die nächsten zwei Jahre eine Bühne bieten.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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