„Nordrand“ von Barbara Albert: Nicht gealtert

Kultur

Barbara Albert drehte 1999 mit „Nordrand“ einen Meilenstein der österreichischen Filmgeschichte

Auch die österreichische Regisseurin Barbara Albert wäre heuer Gast der Diagonale gewesen. Nicht mit einem neuen Film, sondern mit einem Klassiker: „Nordrand“ von 1999, Alberts hoch akklamiertes Langfilmdebüt, war im Rahmen des historischen Specials „Sehnsucht 2020 – Eine kleine Stadterzählung“ programmiert.

„Nordrand“ gilt heute als Meilenstein der jüngeren österreichischen Filmgeschichte. Er lief im Hauptwettbewerb von Venedig und war damit der erste österreichische Film nach 51 Jahren, der für den Kampf um den Goldenen Löwen eingeladen wurde. Die positive Resonanz im In- und Ausland war immens: Nina Proll wurde für ihre Hauptrolle mit dem Marcello-Mastroianni-Preis als Beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet und als Shooting Star gefeiert. „Nordrand“ stand im Preisregen und bewies, dass junges, heimisches und auch stark weiblich geprägtes Filmschaffen auf internationalem Niveau stattfinden konnte – und setzte den heimischen Film auf Erfolgsschiene.

Kurier/Gilbert Novy

Barbara Albert, Regisseurin von „Nordrand“

„Ich habe ,Nordrand‘ erst kürzlich mit meinen Studierenden wieder gesehen“, erzählt Barbara Albert, die mit ihrer Familie in Berlin lebt und dort an der Universität Film unterrichtet: „Es war interessant, weil ,Nordrand‘ so etwas Zeitloses hat und nicht gealtert ist. Er ist letztlich nach wie vor sehr aktuell.“

Tatsächlich zählt „Nordrand“ zu jenen begnadeten Filmen, die auch satte zwanzig Jahre nach ihrem Erscheinen immer noch umwerfende Wirkung entfalten.

„Nordrand“ spielt an den nördlichen Rändern von Wien – wo Albert auch selbst aufgewachsen ist – und erzählt die Geschichte zweier junger Frauen namens Tamara und Jasmin vor dem Hintergrund des Jugoslawienkrieges, der viele Flüchtlinge in die Hauptstadt treibt – ein Umstand, der „Nordrand“ auch heute noch so aktuell macht: „Themen wie Flucht vor Krieg und die Frage, wie man miteinander leben kann, sind brisanter geworden, weil es jetzt ja noch mehr Gegenkräfte gibt“, findet Barbara Albert, „und das ist traurig.“

Konditorei Aida

„Nordrand“ beginnt zu einem Zeitpunkt, als Tamara und Jasmin noch Kinder in der Volksschule sind. Tamara ist gebürtige Serbin und wird von den anderen Kindern – vor allem von Jasmin – ausgeschlossen. Erst Jahre später treffen sie einander zufällig bei einem Abtreibungstermin wieder.

Beide Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein: Tamara macht eine Ausbildung als Krankenschwester, ihr (eifersüchtiger) Freund dient gerade beim Bundesheer. Jasmin arbeitet in der Konditorei Aida und lebt noch zu Hause im Gemeindebau, wo der Vater seine Töchter missbraucht und der familiäre Umgangston darin besteht, sich anzubrüllen.

Diagonale/Lotus Film/Petro Domenigg

Edita Malovčić als Tamara in „Nordrand“

Das mag jetzt vielleicht nach tristem Sozialdrama klingen, ist es aber keineswegs: „Nordrand“ strotzt vor jugendlicher Kraft, seiner Sehnsucht nach Popkultur und dem hervorragenden Spiel eines Ensembles, das wie ein Who-is-who der heimischen Schauspielszene aussieht.

Besonders herausragend ist natürlich Nina Proll, deren Karriere durch „Nordrand“ einen entscheidenden Boost bekam: „Nina hat sich ganz stark in diese Rolle hinein begeben und konnte zeigen, wie viel sie kann. Das war ganz toll“, erinnert sich Albert: „Wir haben lange gecastet, auch im Laienbereich, weil ich jemanden gesucht habe, der sehr authentisch ist. Aber letztlich war dann ganz klar, dass Nina die Jasmin ist. Wir haben dann trotzdem …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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